Zu Besuch im Mucha-Museum in Prag

Prag – Jugendstil, Art Nouveau – die tschechische Hauptstadt ist bekanntermaßen das Paradies für Liebhaber dieser magischen Kunstepoche. Der Gang durch die Altstadt konfrontiert den kunsthistorisch Interessierten mit dekorativem Stuck, eleganten Wandbemalungen, sogar ganzen Gebäudeanlagen, welche sich des Stils einer Zeit, in der Ästhetik sich noch nicht verstecken mußte, bedienen. Pflichtbesuch ist da natürlich das Museum, welches dem wohl bekanntesten Vertreter des tschechischen Jugendstils gewidmet ist.

Alfons Mucha, geboren 1860 im mährischen Ivančice (Eibenschütz), berühmt geworden Ende des 19. Jahrhunderts in Paris, wo er zeitweilig ein gemeinsames Atelier mit Gauguin hatte, gestorben 1939 in Prag, war, wie viele andere Vertreter seiner Epoche, in den verschiedensten Bereichen von bildender Kunst und Kunsthandwerk schöpferisch tätig; er malte, zeichnete, fertigte Plakate und Buchillustrationen, fotografierte und entwarf schmuckvolle Gebrauchsgegenstände.

 

Sitz des Museums ist das barocke Kaunitz-Palais in der Panská 7, nur wenige Gehminuten vom Wenzelsplatz entfernt. In zwei Räumen gibt es eine Auswahl an Kunstwerken und Lebenszeugnissen Muchas zu sehen. Der große vordere Raum zeigt vor allem Arbeiten der Pariser Jahre, darunter eine Auswahl herrlicher Farblithographien einschließlich der Serien „Tageszeiten“ (1899), „Die vier Künste“ und „Die vier Blumen“ (beide 1898), sowie einige der vor allem für das Theater der Schauspielerin Sarah Bernhardt gestalteten großformatigen Plakate. Ergänzt wird dieses Material durch biographische Informationen und eine Reihe höchst interessanter Fotografien; auf einer von diesen ist übrigens Mucha mit Gauguin zu sehen.

 

Ein Gang führt zum zweiten Teil und bietet in einem Schaukasten die, aus Sicht des Verfassers dieses Artikels, vielleicht reizvollsten Arbeiten: kleine Zeichnungen und Skizzen, in welcher die feinfühlige Ornamentik des Stils besonders gut zur Geltung kommt.

 

Der letzte Teil der Ausstellung zeigt unter anderem einen Nachbau eines kleinen Teil des Ateliers mit diesem entnommenen Möbelstücken, einige wenige Gemälde, Fotos der Familie, Exemplare von Mucha entworfener Gebrauchskunst und Illustrationen. Besonders hingewiesen sei an dieser Stelle noch auf eine frühe Kinderzeichnung. Seine „Kreuzigung“ malte der erst achtjährige Mucha 1868 und läßt hier bereits Ansätze seines volkstümlich beeinflußten Stils erkennen.

 

Alles in allem wird eine gut präsentierte Übersicht über das Schaffen dieses Meisters eines schwungvollen Fin-de-siècle geboten. Nicht gezeigt wird allerdings sein Hauptwerk, das 20 Tempera-Gemälde umfassende „Slawische Epos“, dieses ist seit 2016 in der Prager Nationalgalerie zu sehen.

 

Erwähnt sei schließlich, daß der Eintrittspreis mit 240 (ermäßigt 160) Kronen, nach gegenwärtigem Kurs rund 10 Euro, für das doch recht kleine Museum vergleichsweise hoch ist. Gespart werden kann jedoch, wenn man ebenfalls das Kafka-Museum zu besichtigen vorhat; in diesem Fall läßt sich dort die Karte für das Mucha-Museum zum halben Preis erwerben (und umgekehrt).

 

Verweise:

https://www.mucha.cz/de/
http://www.muchafoundation.org/home

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Alfons Mucha „Die Poesie“ (Farblithographie aus der Serie „Die vier Künste“, 1898)
Alfons Mucha „Die Poesie“ (Farblithographie aus der Serie „Die vier Künste“, 1898)

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