Zu Besuch im Berliner Zille-Museum

Berlin – Neben dem Käthe-Kollwitz-Museum und der Liebermann-Villa verfügt Berlin mit dem Zille-Museum über ein weiteres kleines Museum, welches einem in besonderer Weise mit der Hauptstadt verbundenen Künstler gewidmet ist. Auch diesem statteten wir nun einen Besuch ab, um uns einen Eindruck zu verschaffen.

Perfekt gelegen im einigermaßen malerischen Nikolaiviertel, dem historischen Stadtkern Berlins, dessen Bausubstanz allerdings nur noch in Bruchstücken als historisch bezeichnet werden kann, legt man es mit der Vorstellung des „berlinerischsten“ aller bildenden Künstler und anliegendem Souvenirladen wohl vor allem auf Touristen an, welche eben besonders berlinerische Eindrücke mitnehmen wollen – was natürlich vollkommen legitim ist.

 

Doch was gibt es zu sehen? Heinrich Zille (1858-1929), bekannt für seine schonungslosen Zeichnungen und Grafiken aus Berliner Hinterhöfen, Kneipen, Parks und Bordellen, wird auf der ersten Etage des Gebäudes (im Erdgeschoß befindet sich der Andenkenladen) mit rund 150 Exponaten vorgestellt, und dies reicht zumindest, um einen Eindruck von der Arbeit des Künstlers als Fotograf, Satiriker, Zeichner und Druckgrafiker zu gewinnen. Über eine eigene Sammlung verfügt das vom „Heinrich Zille Freundeskreis e.V.“ getragene Museum nicht, es handelt sich bei den Exponaten durchweg um Leihgaben aus Privatbesitz.

 

Es beginnt mit einer Tafel zur Biografie und dem künstlerischen Umfeld Zilles der Berliner Secession um seinen Freund Max Liebermann, dann geht es linkerhand in den ersten Teil der Ausstellung, wo sich Reproduktionen von Zilles fotografischem Werk aus den Jahren 1890-1910 finden, sowie Fotografien von Zille, seiner Familie und Künstlerfreunden, auch sind die vom Bildhauer August Kraus geschaffene Zille-Büste und ein Relief zu sehen. In einem Nebenraum führt eine viertelstündige Videodokumentation in Leben und Schaffen ein.

 

Der zweite Teil der Ausstellung, rechts des Aufgangs, bietet eine Auswahl vom Künstler gestalteter humoristischer Zeitungsseiten, originaler Zeichnungen und Aquarelle (bzw. Arbeiten in Mischtechnik), Druckgraphik, Skizzen und Studien. Das Licht ist hier recht gedämpft, um das empfindliche Material nicht zu schädigen. Eine kleine Kammer bietet Auszüge aus den berüchtigten „Hurengesprächen“, welche 1921 (mit der falschen Jahresangabe 1913) als Privatdruck des Verlages von Fritz Gurlitt erschienen und sogleich verboten wurden und Zille, trotz der Nutzung des Pseudonyms „W. Pfeifer“, eine Verurteilung einbrachten.

 

Den Abschluß bildet ein weiterer kleiner Raum, dessen Inhalt mit „Sonderausstellung“ bezeichnet wird, was etwas bedeutender klingt, als tatsächlich gerechtfertigt; es handelt sich um eine lockere (wohl erst im Entstehen begriffene) Ansammlung von Möbeln und Gebrauchsgegenständen aus der Zeit Zilles. „Siehe. So leben Menschen - Wohnen, Leben und Arbeiten in Zilles Milljöh“.

 

Zusammengefaßt: wer sich für Zilles derb-humoristischen Stil erwärmen kann und einmal einen Schwung der Werke im Original sehen möchte, darf sich das Zille-Museum gerne einmal ansehen. Ort ist die Propststraße 11 in 10178 Berlin im Nikolaiviertel, die Öffnungszeiten sind täglich von 11-18 Uhr; der Eintritt kostet regulär 7,-, ermäßigt 5,-€.

 

Verweise:

http://zillemuseum-berlin.de/
https://www.berlin.de/museum/3109667-2926344-heinrich-zille-museum.html
http://berlin-nikolaiviertel.com/kultur/zille-museum/

Letzte Änderung am Montag, 21 Januar 2019 22:30
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Heinrich Zille „Berliner Nachtquartier“ (schwarze Kreide, R., ohne Jahresangabe)
Heinrich Zille „Berliner Nachtquartier“ (schwarze Kreide, R., ohne Jahresangabe)

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