Ulpiano Checa – Historienmaler zwischen Impressionismus und akademischer Malerei

Er war einer der herausragendsten Künstler am Anbruch der spanischen Moderne. Ein akademisch-klassischer Hintergrund hinderte ihn nicht am ungezwungenen Experimentieren mit impressionistischen Techniken. Sein Werk umfaßte Skulpturen, Plakate, Druckgraphiken, Buchillustrationen; besondere Bedeutung erlangten jedoch seine historischen Gemälde.

Geboren wurde er 1860 als Ulpiano Fernández-Checa y Saiz in der spanischen Stadt Colmenar de Oreja in der Autonomen Gemeinschaft Madrid. Als junger Knabe bereits ließ er ein außergewöhnliches Talent erkennen und wurde 1873, mit 13 Jahren, vom Cafébesitzer José Ballester entdeckt, welcher nach Konsultation mit dem damals in Madrid bekannten Künstler Luis Taveras (andere Schreibweise: Taberner?) beschloß, Checa mit seiner Familie nach Madrid zu holen, um ihm eine künstlerische Ausbildung zu ermöglichen. 
1873 begann er diese an der Hochschule für Bildende Künste und Handwerk, ab 1875 studierte er an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste von San Fernando in Madrid. Ballester ließ ihn während der Jahre in Madrid bis 1884 in seinem Haus wohnen und finanzierte seine Studien. Angeleitet wurde er unter anderem von den akademischen Malern Alejandro Ferrant, Federico de Madrazo und Manuel Dominguez. 
Er war ein herausragender Student, was ihm in jenen Jahren an der Akademie drei Medaillen, zwei Stipendien und von 1879 bis 1884 eine Assistenzprofessur für Perspektive bei Pablo Gonzalvo einbrachte. Gegen 1880/81 hatte er die Akademie verlassen, um hauptberuflich als Künstler zu arbeiten. Dabei war er als Assistent von Manuel Dominguez an der Dekoration des Palastes von Linares und der Basilika von San Franzisko dem Großen in Madrid beteiligt. Er engagierte sich in Künstlerkreisen und wurde zum Mitbegründer der Gesellschaft der Schönen Künste von Madrid. 
1884 erhielt er ein Gehalt, welches ihm Studien an der Spanischen Akademie der Bildenden Künste in Rom ermöglichte. Ein im Folgejahr für den Pariser Salon der Champs Elysées gemaltes Bild „Die Vergewaltigung der Proserpine“ führte zu Kritik an der Spanischen Akademie. Nachdem ihm ein Gehalt für weitere Studien in Rom nicht gewährt wurde, wandte er seine Aufmerksamkeit nach Paris, damals kulturelles Zentrum Europas. 
1889 ließ er sich schließlich in Paris nieder, besuchte die spanische Heimat jedoch regelmäßig. Auch sonst reiste er viel, seine finanzielle Situation erlaubte ihm dies. 1890 hatte er mit seiner Teilnahme am Pariser Salon einen großen Triumph; sein Bild eines Wagenrennens gewann den dritten Preis und stieß beim Publikum wie der Kunstkritik auf begeisterte Zustimmung. Im Folgejahr verlieh ihm die spanische Regierung den Orden Carlos’ III. 
Nun ging es rapide aufwärts. Checa gewann Preise bei zahlreichen Ausstellungen innerhalb Frankreichs, seine Gemälde waren in verschiedenen Ländern Europas, in Nordafrika und Südamerika zu besichtigen. 1894 nahm ihn die französische Regierung in die Ehrenlegion auf. Seine erste Einzelausstellung hatte er im Folgejahr in Paris, knapp 60 seiner Arbeiten waren dort zu sehen. Es folgten Aufträge verschiedenster Art, für Wandgemälde wie für Buchillustrationen. 
Bei der Pariser Weltausstellung von 1900 gewann er eine Goldmedaille, das Jahr darauf wurde ihm die Gestaltung der Kostüme für die Pariser Theateraufführung von „Quo Vadis?“ aufgetragen. Es folgte ein mehrjähriger Aufenthalt mit zahlreichen Ausstellungen in Argentinien und Uruguay. Auch nach Algerien zog es ihn wiederholt, und in mehreren seiner Bilder zum Anfang des 20. Jahrhunderts frönte er dem damals populären Orientalismus. 
Stilistisch frönte er einem ungewöhnlichen, lebhaften Eklektizismus, welcher die Tradition der akademischen Historienmalerei mit den Lichteffekten und Farbwirkungen von Impressionismus und Luminismus verband, inhaltlich widmete er sich vorrangig historischen Sujets verschiedenster Art, doch auch Portraits und Städteansichten aus seiner Hand finden sich. 
Gegen 1910 war er bereits sehr krank, arbeitete jedoch, etwas eingeschränkt, weiter. Er nahm weiterhin am Pariser Salon teil und 1912 gab es eine weitere große Einzelausstellung. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges verließ er Paris und zog zunächst nach Bagnères-de-Bigorre in Südwestfrankreich und später ins nahe gelegene Dax, wo er Anfang 1916 starb. Seine sterblichen Überreste wurden wunschgemäß in seinen Geburtsort überführt und dort beigesetzt. 
In Madrid gibt es ein ganzes Museum, das Ulpiano Checa Gemeindemuseum, welches sich dem äußerst vielseitigen Werk dieses dem Namen nach außerhalb Spaniens ganz zu Unrecht wenig bekannten Künstlers widmet. 


Verweise: 
http://www.colmenardeoreja.com/wordpress/colmenarte/?p=1832

Letzte Änderung am Mittwoch, 01 März 2017 05:19
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Ulpiano Checa „Regentag in Paris“
Ulpiano Checa „Regentag in Paris“

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