Théodore Géricault – der Frühvollendete der französischen Romantik

Frankfurt am Main - Schlagartig berühmt wurde er 1819 mit einem auf dem Pariser Salon unter dem Titel „Szene eines Schiffbruchs“ ausgestellten Gemälde, welches eigentlich „Das Floß der Medusa“ hieß und einen Skandal auslöste. Es wurde zu einem wichtigen Markstein der französischen Romantik, zu deren Pionieren er zählte, obwohl sich hierin bereits der Übergang zum Realismus ankündigte. Ungeachtet seines kurzen Lebens schuf Géricault ein für die französische Malerei überaus bedeutendes Werk.

Geboren wurde Jean-Louis André Théodore Géricault 1791 in Rouen (Normandie) als Sohn eines Rechtsanwalts; ein paar Jahre später siedelte die Familie nach Paris über. Künstlerische Unterweisungen erhielt er von Carle Vernet, der ihn mit der Sporting Art nach britischem Vorbild vertraut machte (zu diesem Genre gehörten etwa Reit- und Jagdszenen) sowie Pierre-Narcisse Guérin, einem strikten Vertreter eines akademischen Klassizismus, der u.a. auch Eugène Delacroix, den zweiten großen Vertreter der romantischen Malerei in Frankreich, zu seinen Schülern zählte. Guérin soll Géricaults impulsives Wesen entschieden mißbilligt, sein Talent jedoch anerkannt haben. Der zweite Teil ist sicher wahr, der erste wird mittlerweile als Legende betrachtet. Das strenge Beharren auf technischer Genauigkeit dieses Lehrers dürfte Géricault jedenfalls genutzt haben, auch, wenn er die akademische Ausbildung als beengend empfunden haben mag.

 

Seinen Weg zur Meisterschaft setzte er in den Jahren 1810-15 auf eigene Faust fort, indem er im Louvre Werke von Rembrandt, Rubens, Titian und Velázquez kopierte; diese Arbeiten sagten ihm mehr zu als der seinerzeit an den Akademien gelehrte Neoklassizismus und beeinflußten sein weiteres Schaffen. Überdies war ihm der Zugang zu den Reitställen von Versailles vergönnt, wo er sich intensiv mit der Anatomie und Bewegung von Pferden auseinandersetzte.

 

Erstmals beteiligte sich Géricault 1812 am Pariser Salon, mit einem Monumentalgemälde, welches einen Offizier der Kavallerie Napoleons zeigte. Es repräsentierte bereits die französische Romantik, abgerückt vom Klassizismus, doch dafür mit deutlichem Bezug zu Rubens. Ein 1814 im Salon ausgestelltes Werk namens „Der verwundete Kürassier“ fand weniger Anklang, und Géricault verdingte sich für einige Zeit in der Garnison in Versailles, befaßte sich jedoch weiterhin mit detaillierten Studien.

 

1816/17 hielt er sich in Italien auf, besuchte Florenz, Rom und Neapel und begeisterte sich für Michelangelo und antike Skulpturen. Nach der Rückkehr nach Frankreich widmete er sich wieder militärischen Themen und entdeckte die Lithographie für sich, seine Arbeiten aus dieser Zeit gelten als frühe Meisterwerke dieser Technik.

 

Sein bedeutendstes Werk wurde das 1919 vollendete und im Salon ausgestellte „Floß der Medusa“. Ein Monumentalwerk von 491 x 716cm. Eine überaus dramatische und schreckensreiche Darstellung einer Szene nach einem Schiffbruch; auf einem roh gefertigten Floß drängen sich die Toten, Verwundeten, Verzweifelten. Einerseits markierte es hinsichtlich der Malweise den Ausbruch der französischen Romantik, andererseits wies es bereits wieder über diese hinaus und nahm zum teil den Realismus vorweg. Für die akkurate Darstellung der Figuren fertigte er zahlreiche Studien in Pariser Krankenhäusern an, und die Abbildung von Leichenteilen studierte er am „leblosen Objekt“ - in seinem Atelier. Für einen Sterbenden stand Eugène Delacroix Modell.

 

Der Skandal war jedoch, daß die Szene nicht der Phantasie des Künstlers oder längst vergangener Geschichte entsprang, denn dargestellt wurde ein noch recht junges reales Ereignis von 1816, als bei einem Schiffsunglück vor der Küste Westafrikas 137 Seeleute ums Leben kamen. Der Rettung von nur 15 Überlebenden waren tagelange Leiden vorausgegangen, und auch Kannibalismus soll vorgekommen sein. In der Folge mußte ein Minister seinen Hut nehmen und 200 Marineoffiziere wurden unverzüglich entlassen. Im Jahr darauf wurde „Das Floß der Medusa“in London gezeigt und fand großen Anklang; Géricault war mitgereist und fertigte in London Zeichnungen armer Menschen, die später zu Vorlagen von Lithographien wurden.

 

Nur mehr wenige Jahre sollte er leben. In der ersten Zeit seiner Rückkehr nach Frankreich befaßte er sich mit sehr realistischen Portraits Geisteskranker, wobei sein eigener labiler Zustand und das häufige Vorkommen geistiger Erkrankungen in seiner Familie den persönlichen Hintergrund bildeten. Seine Gesundheit verschlechterte sich in den Folgejahren zusehends, er hatte mehrere Reitunfälle und litt an Tuberkulose. Schwer geschwächt starb er nach langem Leiden 1824 in Paris, im Alter von nur 32 Jahren. Auf seinem Grab wacht er als Bronzeplastik, mit dem Pinsel in der Hand, über einem Flachrelief des „Floßes der Medusa“.

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Théodore Géricault „Das Floß der Medusa“ (1819)
Théodore Géricault „Das Floß der Medusa“ (1819)

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