Stanisław Wyspiański – der Prophet des Jungen Polen

Krakau - Einer der führenden Vertreter der Bewegung „Junges Polen“, welche etwa als polnische Entsprechung des Jugendstils betrachtet werden kann, war Stanisław Wyspiański. Der sehr vielseitige Künstler (er malte und zeichnete nicht nur, sondern dichtete auch, schrieb Theaterstücke und entwarf Möbel und Kirchenfenster) war unter anderem von Gauguin und den Nabis, dem französischen Art Nouveau und Edvard Munch beeinflußt.

Zu seinem Leben gibt es z.T. widersprüchliche Angaben, wir bemühen uns hier um eine konsistente Version. Wyspiański kam 1869 in Krakau zur Welt. Die Mutter starb, als er sieben Jahre alt war; der Vater, ein Bildhauer, hatte ein schwerwiegendes Alkoholproblem, weshalb der Junge bei seiner Tante und ihrem Mannaufwuchs. Die Zieheltern hatten gute Kontakte in intellektuelle und künstlerische Kreise, und in ihrem Haus soll Wyspiański den bedeutenden Historienmaler Jan Matejko bereitskennengelernt und von ihm ersten Unterricht erhalten haben. Am Gymnasium in Krakau soll er bereits gerne und gut gezeichnet haben.

 

1887 schrieb er sich dann an der Philosophischen Fakultät der Jagiellonen-Universität sowie der Akademie der Bildenden Künste in Krakau ein. Deren Dekan war Jan Matejko, der Wyspiańskis Talent erkannte und förderte.

 

In den Jahren 1890-94 hielt er sich vorrangig im Ausland auf, zunächst in der Schweiz, Deutschland und Italien, von 1891 an jedoch in Paris, wo er an der privaten Académie Colarossi lernte. Während jener Jahre lernte er Paul Gauguin kennen, mit welchem er gemeinsam Kunstmuseen besuchte; auch kam er mit der von Gauguin gegründeten Gruppe der Nabis („Propheten“) in engen Kontakt. Sein Stil erfuhr hierdurch seine Formung.

 

1894 kehrte er nach Krakau zurück, wo er sich der im Entstehen begriffenen Modernistenbewegung anschloß, welche sich im Wesentlichen am Art Nouveau und verwandten Strömungen orientierte; zudem wurde er mehrfach mit der Gestaltung von Kirchenfenstern beauftragt. Als Dichter, Maler und Bühnenbildner arbeitete er eng mit dem Krakauer Stadttheater zusammen.

 

Viele seiner bekannteren Arbeiten stammen aus jenen Jahren; es ist dabei zu bemerken, daß er das Pastell der Ölmalerei bei Weitem vorzog. Er malte vor allem Portraits und Landschaften in einem durchaus eigenen, ausdrucksstarken und mystischen Stil und wird oft als bedeutendster Vertreter des „Jungen Polen“ betrachtet.

 

1897 trat der leidenschaftliche Patriot der Künstlervereinigung „Sztuka“ (Kunst) bei, 1898/99 übernahm er die künstlerische Leitung der Zeitschrift „Zycie“ (Das Leben). Er verfaßte Theaterstücke, die jedoch zunächst bescheidenen Anklang fanden. Erst „Wesele“ (Hochzeit) von 1901 wurde zu einem großen Erfolg – und zum Skandal. Es verlieh dem aufkommenden polnischen Nationalismus Ausdruck und wurde zu einem der wichtigsten Theaterstücke der polnischen Geschichte. 1973 sollte es erstmals verfilmt werden.

 

Auch in den folgenden Jahren blieb er schöpferisch mit einem sehr vielfältigen Werk, er schrieb weitere Stücke, malte und illustrierte Bücher. 1904(06?) erhielt er eine Professur in Krakau, zudem wurde er 1906 Mitglied des Stadtrates. Sein Gesundheitszustand war allerdings zu jener Zeit bereits schwer angeschlagen, Versuche der Restauration schlugen fehl. Er starb 1907 an der damals noch unheilbaren Syphilis. Der Tag seiner Beerdigung in Krakau wurde zum nationalen Trauertag.

Letzte Änderung am Sonntag, 19 Februar 2017 11:53
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Stanisław Wyspiański „Selbstporträt“ (1902)
Stanisław Wyspiański „Selbstporträt“ (1902)

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