Sehenswert: das Hauptwerk Gustave Caillebottes in Berlin

Berlin – Gustave Caillebotte gehört sicher nicht zu den bekanntesten Impressionisten, allerdings hat er ein überaus originelles Oeuvre mit zum Teil fotorealistischen Tendenzen geschaffen.

Sein gewaltiges Hauptwerk „Paris an einem Regentag“ (auch bekannt als „Straße in Paris, Regenwetter“), welches sich üblicherweise im Art Institute of Chicago befindet, hat es nun erstmals für einige Zeit in die Alte Nationalgalerie nach Berlin verschlagen, wo es noch bis zum 15.9.2019 an der Stelle von Manets bekanntem „Im Wintergarten“, welches im Austausch dafür nun eine Manet-Ausstellung in Chicago bereichert, hängen wird.

Caillebotte war im Jahr 1848 geboren worden und somit deutlich jünger als Édouard Manet, Claude Monet, Auguste Renoir, Paul Cézanne, Camille Pissarro, Edgar Degas und die übrigen Impressionisten der ersten Stunde. Dennoch war er sehr früh dabei, nämlich bereits ab der zweiten Impressionisten-Ausstellung 1876. Zuvor hatte er in eher akademischer Weise gemalt, doch Degas führte ihn in den Kreis der neuen Bewegung ein, und er paßte seinen Stil an.

„Paris an einem Regentag“, gemalt 1877 und im selben Jahr, auf der dritten Impressionisten-Ausstellung, erstmals der Öffentlichkeit gezeigt, nimmt nun die zentrale Position des ersten Obergeschosses der Nationalgalerie ein und wird bereits sichtbar, sobald man sich auf der Treppe nähert. Eine gelungene Präsentationsweise des 212 x 276 cm großen Werkes, dessen vorderste Figuren selbst nahezu lebensgroß sind.

Und nun gehen wir einige Schritte an das Bild heran und mit unseren Einordnungen einen Schritt zurück, denn der Malweise nach ist es keineswegs impressionistisch, keine spontane Tüpfelmalerei, die vor allem auf Lichtwirkung setzt, sondern äußerst sorgfältig komponiert und präzise ausgeführt. Typisch für die damals revolutionäre Kunstbewegung ist lediglich die Wahl eines scheinbar zufälligen Ausschnittes der Welt, welchen ein akademischer Maler wohl nie für der Darstellung wert erachtet hätte. Ein fantastisches Bild.

Um dieses Werk herum im Raum angeordnet sind die eigenen Bestände französischer Impressionisten und Postimpressionisten (Cézanne, Monet, Pissarro, Manet, Renoir, Degas, Gauguin, Bonnard), über welche die Nationalgalerie verfügt. Diese wurden allerdings für die Sonderausstellung mit neuen Texttafeln ausgestattet, welche den Bezug zu Caillebotte als Kunstsammler, Förderer und Freund der Impressionisten herstellen, teilweise sehr interessant, doch bisweilen auch etwas bemüht (vor allem unter dem Wandschirm Pierre Bonnards, welcher erst zwei Jahre nach Caillebottes Tod entstanden ist).

Der kleine Nebenraum zeigt doch noch ein wenig mehr Caillebotte im Original, darunter das recht typisch impressionistische Ölgemälde „Die Kaserne Pépinière“ von 1878 und eine Ölstudie zum bekannten „Pont de l’Europe“. Mehrere Figuren- und Architekturskizzen nebst Erläuterungen machen mit der Arbeitsweise des Malers vertraut.

Eng mit der Person Caillebottes verbunden ist die Aufnahme des Impressionismus in den Kanon der offiziellen Kunst in Frankreich, denn es war die im Testament verfügte Schenkung seiner Sammlung an den französischen Staat 1894, welche zur erstmaligen Öffnung der Museen für eine außerakademische Kunstrichtung führte. Dies wird mit Faksimiles zeitgenössischer Dokumente und interessanten Begleittexten veranschaulicht. Parallel dazu wird die damals ebenfalls sehr umstrittene Öffnung der Nationalgalerie unter Hugo von Tschudi ab 1896 für den Impressionismus thematisiert.

Anhänger der großen französischen Kunstrevolution sollten sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Auch wenn es vor allem um ein einziges Bild geht: dieses hat es in sich! Die Alte Nationalgalerie befindet sich in der Bodestraße in 10178 Berlin und ist von Dienstag bis Sonntag von 10-18 Uhr (am Donnerstag bis 20 Uhr) geöffnet, das Ticket kostet regulär 10,-, ermäßigt 5,- Euro.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/alte-nationalgalerie/ausstellungen/detail/gustave-caillebotte.html

Letzte Änderung am Montag, 27 Mai 2019 01:48
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Gustave Caillebotte „Paris an einem Regentag“ (Öl auf Leinwand, 1877)
Gustave Caillebotte „Paris an einem Regentag“ (Öl auf Leinwand, 1877)

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