Remo Leghissa: Der Erodestruktor und die Entdeckung der Freiheit durch die Kunst!

München - Künstler geboren aus Unzufriedenheit und Lust. Aus diesen Polen floß die Spannung, die Remo Leghissa vom Forstwirtschaftsstudium zur Kunst leitete. Und wer den heutigen Künstler Remo Leghissa kennt, kann sich dieses fleischgewordene Perpetuum Mobile der Kreativität trotz der unübersehbaren Naturverbundenheit auch nicht als Forstwirtschaftsbeamten vorstellen.

Doch war es nicht die Berufsperspektive allein, die den Sohn eines Italieners und einer deutschen Mutter empfänglich für den Kuß der Muse machte, sondern eben auch die Lust auf die Schaffung in ihm selbst verborgener Formen, wie er sagt. Insofern ist die Kunst Leghissas in einer sehr persönlichen Form extrovertiert, worin vielleicht auch der nicht zu leugnende spezielle Wiedererkennungswert seiner Werke liegt. Seine Kunst tritt dem Betrachter oftmals nicht eindeutig als gegenständlich oder abstrakt gegenüber und erscheint zwitterhaft als Wanderer zwischen Abstraktion und figürlichen Welten. Jedoch war für den 100%-igen Kunstautodidakten für beide Stile nicht die Moderne inspirierend. Die zur Geburt drängenden in ihm schlummernden Formen fand Remo Leghissa vorwiegend im Altertum, wobei auf ihn mehr noch als das griechisch-römische Form- und Ästhetikverständnis die Abstraktion der Kelten faszinierend wirkten.

 

Bevorzugter Werkstoff des studierten Forstwirts ist der Edelstahl. So gelangte Remo Leghissa vom Holz zum Stahl, sozusagen von lebender zu toter Materie. Was allerdings wie ein Antagonismus erscheint, wird durch die beseelende Wirkung der Kunst relativiert. „Mens agitat molem“ ist ein Grundmotiv von Remo Leghissa, sprich „Der Geist bewegt die Materie“. Und Energie, Bewegung, Kraft, Physik und Metaphysik sind in der Tat in der Kunst Leghissas allgegenwärtig. Sowie Leghissas Kreativität aus dem Gegensatz zwischen Beamtenlaufbahn und Kunst aktiviert wurde, erkennt er in seinem Werkstoff das essentielle Kontrastpotential wieder. Schärfe, Härte, Kühle versus weicher und geschmeidiger Bewegung, Geschwindigkeit und Tiefe. Leghissa sieht in seiner ungerade erscheinenden Biographie auch keinen eigentlichen Bruch, vielmehr betrachtet er seine naturwissenschaftliche Vorbildung als die richtige Grundlage für eine nachhaltige Erdung. Und typisch für Leghissa, betont der Künstler, daß diese Erdung eben erst das Fliegen erleichtert.

 

Ob jedoch Abheben oder Erdung, beides vollzieht sich im Raum und der Ausstellungsort ist bei Remo Leghissa nicht vom Werk zu trennen, wobei allerdings der Ort nicht Endstation, sondern zumeist Ausgangspunkt eines Werkes ist. Leghissa begründet dies mit seiner Hinwendung zum Schamanismus, in dem bekannt sei, daß die Wildheit der Natur ein Spiegel für die Wildheit der menschlichen Seele ist, weshalb von einer Beseeltheit der Natur und einer intensiven Wechselwirkung zwischen Natur und Mensch auszugehen sei. Darum kann für Leghissa schon der Ort allein Ausgangspunkt einer skulpturalen Idee werden. Die nähere Auseinandersetzung mit dem Schaffensprozeß Leghissas drängt einem die Vermutung auf, daß dieser im sprichwörtlichen Sinne der lateinischen Wortbedeutung seine Inspiration regelrecht zuerst einatmet, um dann seinem Werkstoff den Odem einzuhauchen. Allerdings ist Remo Leghissa nicht lediglich ein kunsthandwerklicher Transmissionsriemen, der spirituell geoffenbarte Eingebungen als gleichsam willenloses Werkzeug nur ihre körperliche Form verleiht. Er will durchaus persönliche Sichtweisen und Regungen ausdrücken, nicht des bloßen Mitteilens willens, sondern durchaus im Sinne eines Darbietens. Zum Wesen seiner Kunst sagt Leghissa selbst: „Früher dachte ich, Visionen ausdrücken zu müssen oder zu wollen. Heute empfinde ich eher Sehnsucht, der ich Ausdruck verleihen will. Oft fühle ich mich dabei ganz so, wie es Nietzsche in Zarathustra beschrieben hat: Wie ein Apfelbaum, schwer von seinen Früchten, der sich letztlich als der Beschenkte fühlt, nachdem seine Früchte endlich gepflückt wurden...“ Ein Blick in Nietzsches berühmten Zarathustra weist auf eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen Sehnsucht hin. Und vielleicht fand sich der gereifte Künstler Leghissa im Kapitel „Von der großen Sehnsucht“ wider als er von der Sehnsucht der Über-Fülle las.

 

Da im Gegensatz zum Planen und Wollen das Sehnen oftmals indifferenter und unkonkreter Form annimmt, oder besser Form verweigert, können der Grad an Abstraktion und Gegenständlichkeit als äußerer Spiegel der inneren Sehnsuchtsmanifestation Leghissas gedeutet werden. Auch der Kunsthistoriker Dr. phil. Markus Wimmer bezeichnete Leghissas Kunstschaffen als eine Wanderung zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Das in etwa ein Vierteljahrhundert umfassende Kunstschaffen Leghissas war jedoch gewissen Veränderungen unterworfen. Dies mag zu Teilen auch dem Umstand geschuldet sein, daß es sich bei Leghissa um einen 100%-igen Kunstautodidakten handelt, den jedes Werk zu besserer Formenkenntnis und Ausrüstung führt. Bereits seine frühen Werke waren von der ihm typischen ans keltische Vorbild angelehnten Abstrahierung geprägt, ehe er sich im weiteren Verlauf sehr intensiv dem menschlichen Körper, der Anatomie, insbesondere der Frau widmete, wobei seine künstlerische Ausdrucksweise stark erotisch konnotiert war. Dies war eine deutlich ästhetisch-figürliche Schaffensperiode Leghissas. Von da ab ging Leghissa schrittweise wieder zurück bis zu seiner heutigen Abstraktion, die gelegentlich die Bezeichnung „konkrete Kunst“ erfuhr. Ein sogenannter „roter Faden“, eine Linie in Leghissas Kunst ist die, der verschlungenen Wege, der Spiralen, Kreise und Kugeln. Daneben dominieren aber auch seine abstrakten Flugobjekte, maximale Energie, Schnelligkeit, zuweilen auch Härte und Aggression verkörpernd. Diese bereits in der ersten Hälfte seiner Schaffensperiode entstandenen Kreationen nannte Leghissa „Erodestruktoren“. Eros als die jede Kreativität generierende Urkraft und De-struktion als Zerlegung und Wandlung bestehender Formen. Möglicherweise wäre es beim Nietzscheaner Leghissa sogar statthaft an einen Höhenflug der Evolution im Sinne einer Innovation durch einen triebhaft-zerstörerischen Kreativitätsprozess zu denken. Die Werke Leghissas kennen zwar auch die ruhenden Wesen, wie Eulen oder auch Phantasiewesen, die sich eher der Kraft des Kontemplativen, Beobachtenden und distanziert Lächelnden verschrieben haben, doch nach seinen Lieblingswerken befragt nennt er die „Erodestruktoren“, die er auch als sein originäres Alleinstellungsmerkmal bezeichnet, da sie eine vollkommen eigenständige Formkreation darstellen, die sonst bei keinem anderen Künstler zu finden ist. Leghissa sieht das Motiv des „Erodestruktor“ als längst nicht abgeschlossen an, sondern vielmehr noch voller Entwicklungspotential. Die Identifikation mit seiner Schöpfung geht so weit, daß er sogar den Vergleich mit sich selbst wagt. Insofern eine interessante Form der Selbstverwirklichung. Der Künstler stellt hierzu wörtlich fest: „Der Erodestruktor ist wie ich selbst: er ist in ständiger Wandlung begriffen und gleichzeitig wandelnde Kraft selbst. Er ist Bewegung und Konstanz.“

 

Alles dies kreist jedoch wesentlich um mehr oder minder deskriptive Naturerscheinungen, die künstlerisch verarbeitet werden – wonach strebt hingegen die Vision oder die Sehnsucht, welche die Kunst Leghissas dem Betrachter vermitteln möchte? Weist diesbezüglich die mythologische Hinwendung vielleicht doch auf einen Zielpunkt seiner Auseinandersetzung mit dem ewigen Wandel? Pantha rei, alles fließt – nur wohin? Hier wird Remo Leghissa plötzlich präzise und konkret: „Freiheit! Freiheit ist das höchste Gut von uns Menschen! Die Kunst sehe ich u. a. in der Pflicht, diese immer wieder neu zu entdecken. Auch das ist im übrigen der Erodestruktor: ein Symbol und Subjekt der Freiheit.“

 

Seinen Freiheitsbezug im Kunstschaffen führt Leghissa mitunter auf das Fehlen jeglicher künstlerischen Vor- und Ausbildung zurück, weshalb er bar aller Konditionierung wirkt, und dem selbstgesetzten Anspruch an seine Kunst gerecht wird, frei von einseitigen Prägungen oder ideologischen Konzepten zu sein. Das Einzige, das Leghissa kunsttheoretisch bewegt hat, ist Josef Beuys - Jeder ist Künstler und alles ist Kunst -, indem dieser nach Auslegung Leghissas damit einen Endpunkt gesetzt hat, von dem aus man nur noch neu beginnen kann. Vielleicht empfindet Remo Leghissa den Ausspruch Nietzsches Zarathustra in „Von der großen Sehnsucht“: „O meine Seele, ich gab Dir die Freiheit zurück über Erschaffenes und Unerschaffenes.“

 

Die Befassung mit der Kunst Remo Leghissas bietet wohl wie nur wenige Potential für Erholung, macht allerdings auch ein Angebot zu Erhebung, wenn man sich mit seinem Gesamtwerk auseinandersetzt. Im letzteren Falle wird man einen typischen Leghissa stets wiedererkennen. Der „Macher“ Leghissa greift bis auf einige Ausnahmen weniger auf fremde Galerien zurück, sondern zieht es vor, sich selbst um seinen Erfolg zu kümmern, indem er seine eigenen Ausstellungen organisiert und seinen eigenen Skulpturenpark bestückt. Seit etwa einem Jahr besitzt er auch seine eigenen Galerie „Senza Limiti“ in Landshut. Aktuell ist er mit einer Auftragsarbeit für einen oberbayerischen Unternehmer beschäftigt, für den er eine 12-Meter-Skulptur anfertigt.

 

Person und Werk Leghissas weisen jedenfalls eine Bandbreite, eine Kontinuität und eine Werkfülle auf, die dazu reizen und es wohl auch rechtfertigen, eine abschließende kunsttheoretische Betrachtung zur Diskussion zu stellen: Subjektiv mutet die Kunst Remo Leghissas auf den Betrachter zwar mythologisch, jedoch nicht rein mystisch-jenseitsfixiert, sondern diesseitig-erdverwurzelt, was stilistisch dem magischen Realismus zuzuordnen wäre. Eine gewisse Spiritualität seines Gesamtwerks deutet, fern von modernen und postmodern-illusionären Absurditäten, auf eine Wirklichkeit im Unbewußten hin, die sich sinnlich-visionär ausdrückt, was man als surrealistische Note einordnen könnte. Eine oftmals erotisch konnotierte Darstellung könnte als Symbolismus gedeutet werden und die dynamische Suche nach seelischer Tiefe als Anlehnung an die Romantik, die jedoch bewußt ohne Weltflucht besteht. Vielleicht begründet die Kunstrichtung Leghissas einen neuen Stil, der möglicherweise einmal als „romantischer Neo-Realismus“  in die Kunstgeschichte eingehen wird.

Letzte Änderung am Dienstag, 07 Februar 2017 21:00
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