Pál Szinyei Merse – Geburtshelfer der ungarischen Moderne

Frankfurt am Main - Einer der Wegbereiter der Moderne in Ungarn war der Kunsterzieher, Maler und Politiker Pál Szinyei Merse. In seinen eigenen Arbeiten bewegte er sich zwischen Realismus und frühimpressionistischen Ansätzen, überdies entfaltete er eine leidenschaftliche Tätigkeit als Lehrer und Förderer einer jüngeren Künstlergeneration.

Geboren wurde er 1845 in Szinyeújfalu (damals Kaisertum Österreich, heute zur Slowakei gehörig) in einer adligen Familie; eine deutsche Fassung seines Namens ist Paul Merse von Szinyei. Er studierte an 1864 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei dem Tier- und Historienmaler Sándor (Alexander) Wagner, von 1867 bis 1869 war sein Lehrer Karl von Piloty.

Er kam dort mit verschiedenen herausragenden Künstlern in freundschaftlichen Kontakt, darunter Arnold Böcklin, Gabriel Cornelius Max, Hans Makart und Wilhelm Leibl. Künstlerischen Einfluß, wenn auch mehr auf die Methode und kaum auf den Stil, hatte vor allem letzterer, denn der begeisterte ihn für die Pleinairmalerei, und Merse, hungrig nach der malerischen Praxis, verließ die Akademie. Es begann eine erste, bedeutende Schaffensphase, wobei die Arbeiten jener Zeit zum Teil dem Realismus, zum Teil einem frühen Impressionismus zugerechnet werden.

Eine von Leibl vorgeschlagene Reise nach Paris scheiterte am Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 (sie wurde erst 1908 realisiert), Merse ging für einige Zeit nach Genua und dann wieder in sein Heimatdorf. 1872 zog es ihn wieder nach München, wo er seinen Freund Böcklin zum Ateliernachbarn hatte. Dieser inspirierte ihn zum Gebrauch kräftigerer Farben, deutlich sichtbar an seinem bedeutenden Werk „Picknick im Mai“ von 1873, welchem allerdings zunächst die Anerkennung verwehrt blieb.

Überhaupt war ihm die Kunstkritik während dieser frühen Schaffensphase keineswegs gewogen, hinzu kamen persönliche und finanzielle Schwierigkeiten, worauf Merse 1882 für viele Jahre die Malerei weitgehend einstellte und sich auf seine von 1879 bis 1901 währende Tätigkeit im ungarischen Parlament konzentrierte. In dieser Zeit blieb er allerdings weiterhin der Kunst zugetan und setzte sich für eine Erneuerung der Künstlerausbildung ein.

1894(96?) überzeugten ihn schließlich seine Freunde, das zuvor geschmähte Freilichtgemälde „Picknick im Mai“ und andere Frühwerke erneut auszustellen; diesmal waren die Reaktionen begeistert, selbst Kaiser Franz Joseph erstand eines der Werke, und Merse nahm den Pinsel wieder regelmäßig zur Hand. Diese zweite Schaffensphase war endlich von reichlicher Anerkennung geprägt, was nicht nur durch eine Reihe größerer Ausstellungen in verschiedenen Städten Europas und zahlreiche Auszeichnungen belegt wurde. Dem Naturalismus zugeordnete Landschaften wurden nun der Schwerpunkt seiner Arbeit.

Selbst der Verlust der Sehfähigkeit eines Auges im Jahr 1902 nahm ihm nicht seine Schaffenskraft, und seine Ernennung zum Direktor der Budapester Musterzeichenschule (ab 1908 Hochschule für Bildende Künste) nutzte er, um fortan junge Künstler zu fördern, auch die Unterstützung der Freilichtmalerkolonie in Nagybánya (heute als „Baia Mare“ zu Rumänien gehörend) wurde für ihn zur Herzensangelegenheit.

1908 folgte dann endlich seine Parisreise – und fortan ein wieder leichterer Stil, der, wenn auch vom französischen recht verschieden, doch als Variante des Impressionismus betrachtet werden kann. Die Gründung des „KreisesUngarischer Impressionisten und Naturalisten“,der ersten Vereinigung moderner Künstler Ungarns, erfolgte im selben Jahr. 1912 wurde er mit dem Kleinkreuz des St. Stephans-Ordens und 1916 mit dem Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft geehrt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1920 in Jernye (damals Tschechoslowakei, heute Slowakei) widmete er sich der Nachwuchsförderung, und noch im Jahr seines Todes riefen Freunde und Schüler die „Szinyei-Merse-Gesellschaft“ ins Leben, welche sich dem gleichen Geist verschrieben hatte und bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges von großem Einfluß auf das ungarische Kunstgeschehen war.

 

Verweise:

https://www.hung-art.hu/frames-e.html?/english/s/szinyei/
http://www.zauberhaftes-ungarn.de/kunst-kultur/kunst.htm
http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Szinyei-Merse_Pal_1845_1920.xml

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Pál Szinyei Merse „Picknick im Mai“ (Öl auf Leinwand, 1873)
Pál Szinyei Merse „Picknick im Mai“ (Öl auf Leinwand, 1873)

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