Lucas-Cranach-Jahr: Martin Luther für die Masse

Gotha - Im Zuge der Thüringer Cranach-Offensive zeigt das Wartburgmuseum bei Eisenach 101 Lutherdarstellungen aus fünf Jahrhunderten. Der Fokus liegt dabei ebenso wie in den anderen Ausstellungen in Weimar und Gotha auf den Künstlern Cranach – beziehungsweise deren Werkstatt.

So wird gerade an ihren Lutherbildern klar, dass die Cranachs weniger als Einzelkünstler, sondern eher als eine Marke zu verstehen sind, erklärt der Generaldirektor der Museen der Klassikstiftung Weimar, Wolfgang Holler. „Tausend Fragen der Kunstgeschichte – die Aura, die Qualität, die Einzigartigkeit: Das hat Cranach nicht interessiert. Den hat interessiert, immer wiedererkannt zu werden mit seinen Produktion“, so Holler. „Heute weiß man, dass er eigentlich nur so eine Art Zielvorgabe gemacht hat – und dann hat der Werkstattbetrieb von alleine funktioniert. Es ist immer ein Kollektiv; es ist eigentlich ein kollektiver Künstler.“ Offenbar gab es für die Porträtierten in den Werkstätten sogar Schablonen für die Vervielfältigung. So bestechen seine bekannten Werke nicht durch Raffinesse, Feingeistigkeit oder Poesie und wirken im Vergleich mit anderen Künstlern tiefenlos und plakativ.

 

Und so konnten bereits im 16. Jahrhundert innerhalb weniger Jahrzehnte tausende Bildnisse von Luther in der  Werkstatt in Wittenberg geschaffen und in die Welt versandt werden. „Als er auf der Wartburg saß und das Neue Testament übersetzt hat, hat Cranach schnell eine Druckwerkstatt eingerichtet“, ergänzt Günter Schuchardt, Kurator der Ausstellung und der Burghauptmann der Wartburg über Cranachs Geschäftssinn. „Cranach hat auch daran gut Geld verdient.“ So entwarf und verbreitete Luthers Freund und Trauzeuge Cranach den Ruf des Reformators entscheidend mit. Doch nicht nur das: er drehte auch sonst die propagandistische Werbetrommel für Luther: So druckte er neben dem von Luther übersetzten Neuem Testament etwa 1521 das pabstkritische  Bilderbuch „Passional Christi und Antichristi“ oder auch unzählige satirische Flugblätter.

 

Doch Cranach war kein Idealist. Viel mehr war er einfach nur Geschäftsmann, der eben so wenig Skrupel hatte, Aufträge von Luthers größten Gegenspielern anzunehmen.

 

Bis zu Luthers Tod hatte die Cranachwerkstatt das exklusive Recht, den Reformator zu porträtieren. Damit einher ging jedoch auch ein Werbeauftrag: „Die ersten Kuperstiche sollten seiner Bekanntmachung dienen: Ein Profilbildnis – das war eigentlich der zentralen Gewalt vorbehalten. Da wollte man nachweisen, dass die Lehre richtig ist“, so Schuchardt. So sollte etwa der übergroße Doktorhut betonen, wie wahr Luthers Thesen seien. Und mit den Ehebildnissen habe man gegen das Zölibat aufbegehrt, führt Schuchardt weiter aus. Später erschienen Altersporträts, die einen zufriedenen Luther zeigten. „Wir haben das Phänomen, dass es eigentlich keine Überschneidungen gibt in der Cranachwerkstatt: Die ersten Kupferstiche zeigen den Mönch, das ist nur in den Jahren 1520/21; dann kommt der Junker Jörg – nur als eine Episode, wenn man so will. Die Ehebildnisse, die gibt es nur zwischen 1525 und 1529. 1539 kommt dann das Altersporträt Luthers, das sich dann bis weit über seinen Tod hinaus hält.“

 

Auch die nach dem Tod Luthers angefertigten Darstellungen beziehen sich fast ausschließlich auf Bilder aus der Cranachwerkstatt. Und wie bereits zur Entstehungszeit der Werke versuchten auch die nachfolgenden Epochen, Luther ideologisch günstig darzustellen: „Ja, jedes Bild dient einer Botschaft; jedes Bild diente verschiedenen Interessen: Luther sieht als Aufklärer so aus, Luther sieht als Pietist so aus, je nachdem, aus welcher Richtung er dargestellt wurde“, erklärt die Kuratorin Grit Jacobs. So wurde Luther nach seinem Tod immer mehr als Symbol, denn als Person dargestellt. Nur wenige Darstellungen versuchten einen individuellen Blick auf den Reformator zu werfen.

 

In mehr als zwölf deutschen Orten werden in diesem Jahr Ausstellungen zu Lucas Cranach dem Älteren, seinem Sohn dem Jüngeren und dessen Werkstatt gezeigt. Thüringen zeigt unter dem Titel „Bild und Botschaft“ insgesamt drei große Ausstellungen zu Werken von Vater und Sohn. Vor allem für Cranach den Älteren war das Bundesland eine wichtige Lebensstation: hier heiratete er und hier starb er.

 

In Sachsen-Anhalt widmet man sich hingegen ab 26. Juni gänzlich und weltweit erstmalig ausschließlich dem Sohn: Mit der Landesausstellung „Cranach der Jüngere 2015“ anlässlich seines 500. Geburtstags.

Letzte Änderung am Mittwoch, 15 April 2015 17:02
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Martin Luther. Porträt von 1528, Lucas Cranach der Ältere
Martin Luther. Porträt von 1528, Lucas Cranach der Ältere Quelle: de.wikipedia.org | Lucas Cranach der Ältere - gallerix.ru

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