Leopold von Kalckreuth – Maler eines melancholischen Realismus

Frankfurt am Main - Er gehörte zu den bedeutendsten deutschen Maler des späten 19. und frühen 20. Jahrunderts: Leopold Kalckreuth wird der naturalistischen Richtung des Realismus zugerechnet, bediente sich jedoch gerne impressionistischer Technik, und schuf Porträts, Genrebilder, Hafenansichten und Landschaften, die in ihrer verhaltenen Melancholie nichts von ihrem Reiz verloren haben.

Geboren wurde Leopold Karl Walter Graf von Kalckreuth 1855 in Düsseldorf. Bereits sein Vater Stanislaus Graf von Kalckreuth war als Maler stimmungsvoller Landschaften von hohem Rang und wurde naheliegenderweise sein erster Lehrer. Seine formale Ausbildung fand von 1875-78 an der Kunstschule in Weimar statt, von 1878(79?) bis 1885 studierte er an der Münchener Akademie, wo er u.a. Franz von Lenbach kennenlernte. Er befaßte sich mit den französischen Impressionisten und Realisten; insbesondere Jean-François Millet, einer der Hauptvertreter der Schule von Barbizon, beeinflußte ihn nachhaltig.

Von 1885 bis 1890 lehrte er an der Weimarer Kunstschule als Leiter der Naturklasse; die Jahre von 1890 bis 1895 verbrachte er auf dem Gut der Familie seiner Frau in Schlesien, wo er sich mit Motiven des Landlebens befaßte. Von 1895 bis 1899 hatte er eine Professor für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe inne, gab diese jedoch, wie sein Bundesgenosse Carlos Grethe, mit welchem (neben Friedrich Kallmorgen) er 1896 zu den Begründern des Karlsruher Künstlerbundes gehört hatte, wegen Meinungsverschiedenheiten mit deren Direktor, dem Historienmaler Ferdinand Keller, auf.

Es folgte eine Professur für Komposition an der Königlichen Kunstschule in Stuttgart, deren Direktor er zwischenzeitlich auch war. Diese Stelle behielt er bis 1905. In jenen Jahren gründete er auch den Stuttgarter Künstlerbund, die älteste bis heute existierende Künstlervereinigung Deutschlands. 1903 wurde er überdies zum ersten Präsidenten des gleichfalls neu gegründeten Deutschen Künstlerbundes gewählt.

Er zog 1907 nach Eddelsen bei Hamburg, wo er bis zu seinem Tod 1928 bleiben sollte. In diesen späten Lebensjahren blieb er jedoch sehr aktiv, so gehörte er 1908 zu den Mitgründern des Künstlerbundes Schlesien. Er war hochgeachtet und wurde vielfach ausgezeichnet. 1926 erfolgte die Aufnahme in den Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste, 1927 wurde ihm der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Er selbst unterrichtete zahlreiche ihrerseits recht erfolgreiche Schüler, darunter Ernst Biedermann, Wilhelm Laage und Karl Hofer. Künstlerisch tätig waren auch seine beiden Söhne Johannes von Kalckreuth, der sein Lebensbild verfaßte, und Wolf von Kalckreuth, welcher als Dichter und Übersetzer tätig war und 1906 durch Suizid endete.

Leopold von Kalckreuth malte ab etwa 1900 vor allem Portraits von psychologischer Tiefe, zuvor in erster Linie Szenen des Lebens von Bauern und Hafenarbeitern sowie oft melancholische Landschaften in meist erdiger bis trüber Palette. Von den Impressionisten übernahm er die rohe Pinselführung, legte dabei jedoch den Schwerpunkt mehr auf den Ausdruck seiner Gestalten als auf die Magie des Spiels mit Licht und Schatten um ihrer selbst willen.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/karl-walter-leopold-von-kalckreuth/auktionsresultate
http://webopac.hwwa.de/digiview/DigiView_PND.cfm?PND=118714864
https://www.mopo.de/kunsthalle-leopold-von-kalckreuth-20196732
http://andrechahil.com/hamburg-anno-1894-die-heimkehrenden-werftarbeiter-auf-der-elbe-realist-leopold-von-kalckreuth-und-die-hamburger-kunsthalle/
http://stadtlexikon.karlsruhe.de/index.php/De:Lexikon:bio-0430

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Leopold von Kalckreuth „Dückdalben im Hamburger Hafen“ (Öl auf Leinwand, 1894)
Leopold von Kalckreuth „Dückdalben im Hamburger Hafen“ (Öl auf Leinwand, 1894)

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