Klassiker der Moderne im Museum Barberini

Potsdam - Das erst kürzlich neu eröffnete Museum Barberini in Potsdam beginnt sein Dasein mit zwei überaus hochkarätigen Ausstellungen, die hier in zwei getrennten Artikeln vorgestellt werden sollen. Die erste firmiert unter dem Titel „Klassiker der Moderne. Liebermann, Munch, Nolde, Kandinsky“ und wird noch bis zum 28. Mai 2017 zu besichtigen sein.

Geordnet ist diese Schau chronologisch nach Strömungen, beginnend mit dem deutschen Impressionismus, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts auftauchte, endend mit verschiedenen Ausprägungen der abstrakten Moderne. 
Der Besucher betritt zunächst einen großen Saal, welcher einen Wendepunkt der deutschen Kunstgeschichte als Aufhänger nimmt, der im Ausschluß Emil Noldes (1867-1956) aus der Künstlergruppe Secession gesehen wird. Dessen radikale Bilder führten damals zu einigem Aufsehen in der Berliner Secession. Wie die Impressionisten bediente er sich der Tüpfeltechnik, doch ging es ihm dabei nicht um Lichtwirkungen, sondern um den Ausdruck seelischer Zustände. Dies war einer der Ursprünge des deutschen Expressionismus. So wird in diesem Saal entsprechend eine reiche Zahl von Werken des wohl bedeutendsten deutschen Impressionisten, Max Liebermann (1847-1935), den frühen Arbeiten Noldes gegenübergestellt, wobei den Verfasser dieser Zeilen insbesondere dessen rauschhafte Blumenbilder beeindruckten. 
Anschließend geht es in einen kleineren Raum, der es jedoch in sich hat. Hier sind mehrere Arbeiten Edvard Munchs (1863-1944) zu sehen, von frühen, noch stärker impressionistisch beeinflußten Arbeiten um 1890, bis zur Zeit von 1905, wo sich sein typisch melancholischer, protoexpressionistischer Stil bereits etabliert hatte, darunter sind herrliche Stücke wie eine Fassung der „Mädchen auf der Brücke“ (1902) und eine „Sommernacht am Strand“ (1902/03). 
Eine Etage höher geht es mit dem Thema „Aufbruch in die Fläche. Nach dem Impressionismus“ weiter, der Raum befaßt sich vorrangig mit den beiden sehr gegensätzlichen Richtungen des Pointillismus und Fauvismus. Der Pointillismus (auch Divisionismus oder Neoimpressionismus genannt) bediente sich im Vergleich zu den Impressionisten einer konsequenteren Tüpfeltechnik, wobei sich die rein verwendeten Farben erst im Auge des Betrachters mischen sollten. Henri-Edmond Cross (1856-1910) wurde hier als bedeutender Vertreter dieser Richtung (der sie allerdings gleichzeitig bereits weiterentwickelte) ins Programm genommen. Der etwa 15 Jahre später auftauchende Fauvismus wählte einen ganz anderen Ansatz, leuchtende Farben wurden in groben und breiten Strichen aufgetragen. Maurice de Vlaminck (1876-1958) bildet hier mit mehreren Werken den Schwerpunkt. Ansonsten zeigt der Raum jeweils einzelne Werke so verschiedener Künstler wie Auguste Herbin, André Derain, Gustav Klimt und Wassily Kandinsky. 
„Bewegte Körper. Rodin im Dialog mit Monet“ zeigt schließlich im zweiten großen Saal der Ausstellung den Anbruch der Moderne in der Plastik. Ausgegangen wird von einer 1889 in Paris stattgefundenen gemeinsamen Werkschau des impressionistischen Magiers Claude Monet mit dem Bildhauer Auguste Rodin (1840-1917), wo dieser erstmalig impressionistische Prinzipien der Lichtbrechung in die Bildhauerei einführte. Gleichzeitig stellten die Arbeiten die Abkehr vom heroischen Klassizismus dar, denn die Personen werden nicht nach antikem Vorbild verherrlicht, sondern oft in Schmerz und Verzweiflung dargestellt. 
In zwei weiteren, kleineren Räumen werden verschiedene Ausprägungen der Moderne mit wenigen Stücken vorgestellt. So finden sich in einem Raum unter „Natur und Struktur. Abstraktion nach Kandinsky“ Arbeiten des Mexikaners Rufino Tamayo (1899-1991) zusammen mit Werken Gerhard Richters (geboren 1932) und im letzten, betitelt „Abstraktion transatlantisch. Austausch zwischen Frankreich und Amerika“, geht es zum abstrakten Expressionismus (Joan Mitchell), Tachismus (Sam Francis) und zur Pop-Art (mit einer Arbeit von Andy Warhol). 
Was durchgängig positiv auffällt ist die Gestaltung der Räume. Den Bildern wird genügend Platz gelassen, um zur Geltung zu kommen, die Beleuchtung ist angemessen, und zu fast jedem Bild findet sich eine kurze, treffende Erläuterung. 
Es ist mit längeren Wartezeiten auch nach dem Ticketkauf zu rechnen, da der Andrang berechtigterweise groß ist und nur bestimmte Kontingente an Besuchern gleichzeitig eingelassen werden. Diese Zeit kann jedoch ggf. auch zu einem Spaziergang in der geschichtsträchtigen und an betrachtenswerten Bauwerken reichen Umgebung genutzt werden. In jedem Fall lohnt sich der Besuch dieser überaus gehaltvollen Ausstellung. 
Das Museum Barberini befindet sich am Alten Markt (Humboldtstraße 5-6) in Potsdam. Geöffnet ist es täglich von 11-19 Uhr; Dienstag ist jedoch Schließtag. Jeden ersten Donnerstag im Monat ist überdies die Öffnungszeit bis 21 Uhr verlängert.

Letzte Änderung am Sonntag, 19 Februar 2017 11:42
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Edvard Munch „Sommernacht am Strand“ (1902/03, Privatsammlung)
Edvard Munch „Sommernacht am Strand“ (1902/03, Privatsammlung)

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