Kirchners Schweizer Jahre – Sonderausstellung im Brücke-Museum

Berlin – Noch bis zum 31. März 2019 wird im Brücke-Museum in Berlin-Dahlem eine Ausstellung zu sehen sein, welche es wahrlich in sich hat. Der Schweizer Galerist und Sammler Eberhard W. Kornfeld hat im Laufe der letzten 70 Jahre eine beeindruckende Sammlung von Arbeiten Ernst Ludwig Kirchners zusammengetragen, und der in den letzten Jahren Kirchners in der Schweiz entstandene Teil der Werke dieser Sammlung wird nun erstmals umfassend in Deutschland präsentiert.

Zuerst wird uns der Sammler Kornfeld, geboren 1923 in Basel, selbst vorgestellt, sein Wirken und seine Künstlerfreundschaften, zu denen u.a. Alberto Giacometti zählte – vier Porträtskizzen von 1959, in denen Giacometti Kornfeld zu Papier brachte, sind Teil der Einführung. In einer Leseecke kann sich der Besucher überdies Veröffentlichungen der Galerie Kornfelds ansehen.

 

Im Folgenden widmen sich die Ausstellungsabschnitte den einzelnen Aspekten bzw. Perioden von Kirchners Schweizer Jahren, von der Ankunft 1917 bis zu seinem Suizid 1938. Drei Anwesen bewohnte Kirchner, alle in der Nähe von Davos. Jeder Wohnort ist mit bestimmten Schaffensphasen verbunden. Die ersten Monate auf der Stafelalp, dann bis 1923 das Gut „In den Lärchen“ und zuletzt das Haus „Auf dem Wildboden“.

 

Trotz oder wegen seiner psychischen Zerrüttung waren dies äußerst produktive Jahre, in denen der Maler zusehends einen eigenen, persönlichen Stil entwickelte, vom ursprünglichen Brücke-Stil weit entfernt. Jeder einzelne Lebensort ist mit einer Vielzahl von Arbeiten verbunden, und auch die Vielseitigkeit was die Medien angeht ist erwähnenswert. Neben zum Teil recht großen Ölgemälden finden sich ganze Holzschnittserien, Radierungen, Aquarelle, Zeichnungen, Holzskulpturen und sogar gewebte Teppiche nach Kirchnerschen Motiven.

 

Auf der Stafelalp entstanden vor allem Holzschnitte zum bäuerlichen Leben, doch auch Lanfdschaftsgemälde wie „Stafelalp im Schnee“ oder „Stafelalp. Rückkehr der Tiere“ (beide 1919). Auch Kirchners längerer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik 1918 am Bodensee wird als eigene Werkphase betrachtet, er schuf dort eine ganze Serie von Holzschnitt-Porträts, darunter gleich drei seines behandelnden Arztes Ludwig Binswanger.

 

Die Zeit auf dem Gut „In den Lärchen“ wird gleichfalls vielseitig abgedeckt, von Landschaften bis zu dem Gemälde „Atelierecke“, welches Kirchners Arbeitsplatz darstellt, in diesem Zusammenhang sind auch Gegenstände aus diesem Haus zu sehen, vom Kissen mit Kirchner-Motiv bis zur selbstgeschnitzten Kaffemühle. Das Ende dieser Zeit wird durch den Bruch Kirchners mit dem Arzt und Freund Lucius Spengler und dessen Frau 1923 markiert, wodurch der Künstler sich zum erneuten Wechsel des Wohnorts gezwungen sah. Ausgedrückt ist das schicksalhafte Ereignis in dem Ölbild „Schwarzer Frühling“, welches auch als Vorlage eines von Lise Gujer gewebten Teppichs diente.

 

Von 1923 bis 1938 bewohnte Kirchner schließlich das Haus „Auf dem Wildboden“, wo er sich 1938 erschoß. In diese Jahre fiel eine zunehmend flächige Malweise, erkennbar etwa in dem Gemälde „Wildboden im Schnee“ (1924), es gab erfolgreiche Schweizer Einzelausstellungen (Zürich 1927 und Bern 1933). Der Anerkennung als einer der bedeutendsten modernen Künstler folgte die Verfemung im nationalsozialistischen Deutschland, die ihn persönlich sehr traf. Das seelische Leiden Kirchners läßt sich in vielen seiner Bilder gut nachfühlen, berührend ist auch eine Bleistiftzeichnung aus seinem letzten Jahr „Selbstbildnis mit Katze“.

 

Alles in allem: wer einmal einen wesentlichen Teil des Werkes eines der bedeutendsten deutschen Expressionisten sehen möchte, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Das Brücke-Museum befindet sich am Bussardsteig 9 in 14195 Berlin, geöffnet ist es täglich (außer dienstags) von 11-17 Uhr. Der reguläre Eintritt kostet 6,-.

 

Verweise:

http://www.bruecke-museum.de/
https://art-depesche.de/malerei/451-sonderausstellung-zur-künstlergemeinschaft-brücke-in-berlin.html

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Ernst Ludwig Kirchner „Wildboden im Schnee“ (Öl auf Leinwand, 1924. Sammlung E.W. Kornfeld, Bern/Davos)
Ernst Ludwig Kirchner „Wildboden im Schnee“ (Öl auf Leinwand, 1924. Sammlung E.W. Kornfeld, Bern/Davos)

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