John Peter Russell – der unbekannte Große des Impressionismus

Frankfurt am Main - Er war Australier und Impressionist, stand jedoch kaum in einer Verbindung mit der Hauptströmung des australischen Impressionismus, der sogenannten „Heidelberger Schule“, denn der Schwerpunkt seines Wirkens lag in Europa, speziell in Frankreich. Dort jedoch gewann er den Respekt von Künstlerkollegen wie Claude Monet, Vincent van Gogh und vor allem Henri Matisse, den er nachhaltig beeinflußte.

Zur Welt kam Russell 1858 in Sydney als Sohn einer englischen Mutter und eines schottischen Vaters. Der Vater, ein Ingenieur, kam zu einem bedeutenden Vermögen, welches der Sohn nach dessen Tod 1879 erbte. Dieser hatte sich zwar bereits gleichsam zum Ingenieur ausbilden lassen, jedoch sich schon lange mit der Malerei befaßt, und entschied sich nun, diese Passion zu seinem Beruf zu machen.

Dank des väterlichen Erbteils war er finanzieller Sorgen enthoben und ging 1881 nach London, wo er sich an der Slade School of Fine Art einschrieb. Sein Lehrer in den drei Jahren, welche er dort studierte, war der Franzose Alphonse Legros. Danach studierte er mehrere Jahre in Paris unter Fernand Cormon. Zu seinen Mitstudenten dort gehörten Henri de Toulouse-Lautrec, Émile Bernard und Vincent van Gogh; mit letzterem freundete er sich an, und 1886 sollte er ihn auch porträtieren – dieses Bildnis ist heutzutage im Amsterdamer Van Gogh-Museum zu besichtigen. Auch mit Tom Roberts, einem später führenden Vertreter des eigentlichen australischen Impressionismus, entwickelte er eine lebenslange Freundschaft – künstlerisch gab es zu dieser Bewegung indes keinen unmittelbaren Bezug.

1888 heiratete Russell in Paris Marianna Antoinetta Mattiocco, eine italienische Schönheit, welche bereits dem Bildhauer Rodin, auch einem Freund Russells, Modell gestanden hatte. Mit ihr würde er elf Kinder haben, von denen sechs überlebten. Das Paar zog auf die bretonische Belle-Île und errichtete dort seinen „Le Chateau Anglais“ genannten Wohnsitz, um welchen herum sich mit der Zeit eine kleine Künstlerkolonie bildete. 
Russell war vermögend genug, um zu seinem eigenen Vergnügen zu malen, was ihn der Sorge enthob, an Ausstellungen teilnehmen und Bilder verkaufen zu müssen, denn der Ausstellungsbetrieb von London und Paris war ihm ein Greuel – vermutlich liegt hierin indes der Grund, daß sein Name heutzutage kaum bekannt ist.

Umso interessanter ist die Achtung, die Künstlerkollegen ihm entgegenbrachten. Van Gogh, das zu Lebzeiten verkannte Genie, schickte 1888, nach seinem ersten Sommer in Arles, zwölf Zeichnungen nach seinen Gemälden an Russell, um diesen über seine Fortschritte zu unterrichten. Claude Monet, der Impressionist schlechthin, besuchte ihn auf Belle-Île. Die beiden malten häufig zusammen, und Russell ließ sich von Monets oszillierender Malweise beeinflussen. Es heißt sogar, Monet habe einige der russellschen Darstellungen des Meeres über seine eigenen gestellt.

Landschaften und Seegemälde bildeten längst den Schwerpunkt seiner Arbeit, und als Henri Matisse ihn 1897/98 auf Belle-Île besuchte, wurde er zu dessen Einweiser in die impressionistische Technik und machte ihn überdies mit dem Werk van Goghs vertraut. Matisse benannte Russell später dankbar als seinen Lehrer, als jenen, der ihn in die Farbtheorie eingeführt hätte.

1907/08 starb Marianna, worauf Russell in seiner Verzweiflung 400 seiner Aquarelle und Ölbilder zerstörte, ein gewaltiger Verlust, den insbesondere Rodin betrauerte. Er ging nach Südfrankreich, durchreiste Italien und kam wieder nach Paris, und dort heiratete er 1912 die amerikanische Sängerin Caroline de Witt Merrill, mit welcher er noch einen Sohn zeugte. Von 1915 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs lebte er in London, anschließend ging er für zwei Jahre nach Neuseeland, bis er sich für den Lebensabend dauerhaft in Sydney niederließ.

Er malte dort noch zahlreiche Aquarelle von Hafenszenen in der Watson Bay und starb 1930 in Folge eines Herzanfalls. Seine Tochter schenkte 21 Gemälde an den Louvre, welche in dem seinem Freund Rodin gewidmeten Museum zu besichtigen sind. Mehrere australische Galerien zeigen mittlerweile Werke Russells; diese sind allerdings erst spät entdeckt worden und noch immer gilt er als „verlorener Impressionist“. Russells leichte und farbenfrohe Arbeiten müssen sich jedoch vor anderen impressionistischen Großen nicht verstecken, und Liebhabern dieser Richtung werden sie mit Sicherheit das Herz öffnen.


Verweise: 
http://adb.anu.edu.au/biography/russell-john-peter-8302 
http://www.theartwolf.com/news/russell-bonhams.htm

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John Peter Russell „Pecheur sur falaise“ (1900)
John Peter Russell „Pecheur sur falaise“ (1900)

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