John Langstaff – Australiens bedeutendster Porträtkünstler

Frankfurt am Main - Der australische Maler John Campbell Longstaff errang seine Erfolge hauptsächlich als hervorragender Porträtist und Kriegsmaler. Stilistisch stand er in erster Linie unter dem Einfluß der akademischen Malerei und alter Meister, modernere Strömungen hinterließen nur leichte Spuren.

Geboren wurde er 1861 in Clunes, Victoria. Der Vater war ein Ladenbesitzer englischer Abkunft, die Mutter stammte aus Schottland. Die sich früh zeigenden künstlerischen Neigungen wurden von der Mutter unterstützt, und so erhielt der Junge in Clunes von einem Dänen namens Bruhn ersten Zeichenunterricht; 1873 erhielt er einen Jugendpreis im Freizeichnen von der Victorian School of Design.

1874 verlegte die Familie den Wohnsitz nach Shepperton. Der Junge half ohne sonderlichen Elan im väterlichen Geschäft und brachte sich selbständig die Ölmalerei bei. Der Vater nahm dies mit wenig Freude zur Kenntnis und versuchte zunächst, ihn zu einer Karriere im Importwarenhandel zu bewegen, ließ sich jedoch schließlich durch den Importeur Henry Butler, der Johns Talent erkannt hatte, umstimmen.

Der erfolgreiche Maler George Frederick Folingsby, bei dem Longstaff in Folge eine akademische Malereiausbildung an der National Gallery School Victoria erhielt, war beeindruckt. Longstaff war ein herausragender Schüler und 1887 der erste, der ein Reisestipendium der Schule erhielt. Longstaff heiratete noch rasch und begab sich dann nach Europa; über einen kurzen Aufenthalt in London führte ihn der Weg nach Paris, wo er sich auf Anraten seines in Frankreich lebenden Landsmannes, des impressionistischen Lanschaftsmalers John Peter Russell, im Atelier des akademischen Historienmalers Fernand Cormon weiterbilden ließ. Zudem nahm er in jenen Jahren mehrfach erfolgreich am Pariser Salon teil.

Zeitweilig ließ er sich von Russells Impressionismus beeinflussen; eine lockere Pinselführung und hellere Farben waren das Ergebnis. 1890 ging er für drei Monate nach Spanien, hier beeindruckte ihn die Malerei des barocken Meisters Diego Velázquez schwer. Dessen fein abgestufte dunkle Töne und technische Genauigkeit sollten vor allem für Longstaffs Porträts den Maßstab bilden.

1893 ging er als Porträtist nach London und kehrte schließlich 1894 oder 1895 nach Australien zurück. Er hatte seinen Wohnsitz in Melbourne, wo er sich unter anderem mit der Gestaltung von Reklame befaßte, bis er sich endlich fest als Porträtkünstler etablieren konnte; er hatte dort sein Atelier von 1897 bis 1900. 1901 ging er erneut London und errang große Erfolge mit den Bildnissen zahlreicher bekannter Persönlichkeiten, darunter König Edward VII und Königin Alexandra. Regelmäßig stellte er an der Royal Academy aus.

Australien besuchte er 1911 für nur einige Zeit, diente jedoch zum Ende des Ersten Weltkriegs offiziell als Kriegsmaler der australischen Infantrie und brillierte dabei mit meisterlichen Soldatenbildnissen. Von 1920 an lebte er vorrangig in Melbourne. Er errang zahlreiche Auszeichnungen und wurde 1928 als erster australischer Künstler zum Ritter geschlagen. Auch in den späteren Lebensjahren war er im Grunde mit seinen Porträts erfolgreich, allerdings stellte der Unterhalt seiner in England gebliebenen Familie finanziell erheblich, und sein Begräbnis 1941 soll angesichts seines Ruhms sehr bescheiden ausgefallen sein.

Longstaffs Bildnisse stellen herausragende Arbeiten der akademischen Tradition dar. Nur sehr bedingt lassen sich Einflüsse von Impressionismus und Tonalismus erkennen. Ein jüngerer Sproß der Familie, sein Cousin Will Longstaff (1879-1953) tat sich ebenfalls als Kriegsmaler hervor.

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John Longstaff „Portrait of Dr Alexander Leeper“ (Öl auf Leinwand, 1928)
John Longstaff „Portrait of Dr Alexander Leeper“ (Öl auf Leinwand, 1928)

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