Johannes Bosboom – lichtdurchflutete Kirchenansichten

Amsterdam - Der niederländische Maler Johannes Bosboom wurde vor allem durch Außen- und Innenansichten von Kirchen in Form von Aquarellen und Ölgemälden bekannt. Besondere Meisterschaft errang er im Umgang mit dem Licht, und so wurde er einer der Wegbereiter der Haager Schule.

Zur Welt kam er 1817 in Den Haag. Im Alter von 14 Jahren begann er seine künstlerische Ausbildung als Schüler im Atelier des Bartholomeus van Hove, wo er mit dessen Sohn Hubertus gemeinsam lernte. Der Lehrer hatte mit seinen romantischen Stadtansichten und Kirchenintérieurs einen großen Einfluß. Bei der Gestaltung von Bühnenbildern für das Königliche Theater in Den Haag wurde er von Bosboom unterstützt. Später schloß dieser sich auch der von van Hove mitgegründeten Künstlervereinigung Pulchri Studio an.

 

Bosboom belegte überdies von 1831 bis 1835 und erneut von 1839 bis 1840 Kurse an der Haager Kunstakademie. Im Jahr 1835 reiste er nach Düsseldorf, damals mit der an der dortigen Akademie wirkenden romantischen Düsseldorfer Schule eines der Zentren der europäischen Malerei. Auch Köln und Koblenz besuchte er, und es entstand ein Aquarell namens „Ansicht der Moselbrücke bei Koblenz“, welches Andreas Schelfhout erstand. Dieser wohl wichtigste Vertreter der romantischen Landschaftsmalerei der Niederlande, gleichsam von großem Einfluß auf die spätere Haager Schule, wurde sein enger Freund und Vertrauter.

 

1837 bereiste er Antwerpen; eine Reise nach Paris und Rouen folgte 1838(39?). Das daraus entstandene Bild „Ansicht des Pariser Kais und der Kathedrale von Rouen“ brachte ihm eine Silbermedaille. In Folge befaßte er sich mit Vorliebe und mit Erfolg mit Kirchenintérieurs, in welchen er seine Meisterschaft entwickeln sollte. Bis heute gilt er als einer der wichtigsten Vertreter dieses Genres.

 

Hinsichtlich des Sujets hatte Bosboom zwar wenig mit der ab etwa 1870 aktiven Haager Schule gemein, doch wurde seine Betonung der lichtdurchfluteten Atmosphäre mit prägend für diese. Natürlich malte er nicht nur Kirchenbilder, und insbesondere bezüglich einiger in den 1870er Jahren entstandener Landschaftsaquarelle wird über einen direkten Einfluß auf die Haager Schule spekuliert.

 

Diese Schule, deren Werden Bosboom mit einleitete, wird auch als zweite große Epoche der niederländischen Malerei betrachtet, nach dem Goldenen Zeitalter der alten Meister des 17. Jahrhunderts. Traditionen vergangener Jahrhunderte verbanden sich hierin mit zeitgenössischen Auffassungen des Lichts, oft inspiriert durch die französische Pleinairmalerei. Die Haager Schule wird auch als eigenständige Strömung der impressionistischen Bewegung im weiteren Sinne betrachtet. Bosboom selbst jedenfalls blieb bis in seine späten Jahre recht aktiv. Er wurde 1886 noch zum Offizier des Leopoldsordens ernannt und starb 1891 in seiner Heimatstadt.

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Johannes Bosboom „Ansicht des Pariser Kais und der Kathedrale von Rouen“ (1839)
Johannes Bosboom „Ansicht des Pariser Kais und der Kathedrale von Rouen“ (1839)

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