Hugo Nefe: Kunst darf auch schön sein!

München - Vom ostbayerischen bis in den fernöstlichen Raum reicht die Kunst des im Gäuboden beheimateten Künstlers Hugo Nefe, der in China bekannter als in Deutschland ist. Hugo Nefe wurde 1956 in Simbach am Inn geboren, und machte nach dem Besuch eines humanistischen Gymnasiums seinen Keramiker-Meister, bis er 1982 freischaffend als bildender Künstler und Buchautor tätig wurde und bis zum heutigen Tage erfolgreich tätig ist.

Das Atelier, des naturverbundenen Künstlers, dem die urbanen Zentren nie zur Heimstätte wurden, befindet sich fern der Metropolen in der Dorfidylle des Örtchens Reißing im niederbayerischen Gäuboden, was allerdings keineswegs bedeutet, daß er nicht den Weg in die weite Welt gefunden hätte. 1992 erhielt er als erster ausländischer Künstler eine Einzelausstellung im renommierten Shenzhen Art Museum in China. Seine One-Man-Show, wie Nefe es nennt. Seither begeistert er sich für die uralte Kultur des Landes und seiner Menschen, eine Begeisterung, die sich auch in seinem Buch - Nefe malt auch mit Buchstaben, wie er selber sagt - „Das geheime Portal“ niederschlägt.

 

Dies war auch nicht sein einziger internationaler Auftritt. Im Milleniumsjahr 2000 präsentierte Hugo Nefe seine Werke in der J-Gallery in Shanghai und 2005 organisierte keine geringere als die Academy of Fine Arts Shanghai, in der schon zeitgenössische Größen wie Markus Lüpertz eingeladen wurden, eine Einzelausstellung Nefes. In der Schweiz und in Rußland finden sich ebenfalls Arbeiten von Hugo Nefe in diversen Sammlungen. In Deutschland war Nefe überregional in Hamburg, Düsseldorf und im Kunsthaus Tacheles Berlin zu sehen oder im regionalen Bereich neben Ausstellungen in Straubing unter anderem in der Ostdeutschen Galerie Regensburg, der BMW-Galerie Dingolfing oder dem Kunsthaus Ostbayern Viechtach. Nefe kann auf öffentliche Ankäufe der Bayerischen Staatsgemäldesammlung - Neue Pinakothek - München, der Hypo Kulturstiftung München und der Staatlichen Kunstsammlung der Volksrepublik China verweisen. Derzeit werden zehn Nefe-Werke über die Galerie Conrad im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen angeboten. Darunter beispielsweise die Farbradierung „Zitronensinfonie“, eine Arbeit, die ohne jeglichen sauren Nachgeschmack eine  Frische ausdrückt, die den Betrachter nicht müde werden läßt.  

 

Nefe hat seine eigenen, klaren Vorstellungen zu Kunstschaffen, Kunstauffassung und Kunstbetrieb. Eine seiner sympathischsten Devisen lautet, daß Kunst auch schön sein darf, wobei er nicht zögert, darauf hinzuweisen, die volle Köstlichkeit der Schönheit nur erfahren zu können, wenn sie nicht nur mit dem Auge gesucht wird. Nach seiner Stilrichtung gefragt, erklärt Nefe, keineswegs eine konkrete Stilsuche für sich vorzunehmen. Vielmehr beobachtet er skeptisch das Bemühen zeitgenössischer Künstler, einem Markenzeichen nachzujagen, anstatt durch einen kontinuierlichen Reifeprozeß ihre unverwechselbare Handschrift auszubilden. Nefe glaubt, daß gerade unter den erfolgreichen Künstlern viele dadurch ihre künstlerische Freiheit zu Markte getragen haben. Der Künstler Nefe kritisiert, daß heute zumeist der Event über dem Werk steht, die Künstlichkeit über der Kunst, was Nefe darauf zurückführt, daß die heutige Gesellschaft genug Brot hat, aber der Spiele bedarf. Eine gesellschaftliche Rahmenbedingung, die sich wenig mit Nachhaltigkeit verträgt, sondern mehr die schnell wechselnden Effekte mit kurzem Verfallsdatum befördert. Nefe glaubt darin einen allgemeinen Trend zum Obsoletismus zu erkennen, der auch vor der hehren Kunst nicht halt macht. Nefe spricht im Zusammenhang mit einem immer kürzer getakteten Geschmackssinn der Rezipienten von einer - wie er vermutet – absichtlich herbeigeführten Sollbruchstelle des Marktwertes der Künstler.

Unter Umständen ist es Teil des Erfolges von Hugo Nefe, daß er sich einer stilistischen Einordnung entzieht, ja sich sogar zitieren läßt, wer einen solchen bei ihm fände, wäre entweder ein cleverer Geschäftsmann, ein raffinierter Kunsthändler oder beides. In seiner gnadenlosen Offenheit analysiert er als heutige Erfolgsvoraussetzungen zu häufig weniger das Talent und die künstlerische Ausbildung, sondern ein deutliches Übergewicht an Netzwerkern und Geschäftssinn.

 

Im Börsenjargon beschreibt er den gegenwärtigen Kunstmarkt nach den Übertreibungen in den 80er und 90ern in einer Seitwärtsbewegung mit Abwärtstrend. Die Gründe sieht er zum einen im Fehlen von Stilrichtungen, vor die nicht schon einfallsreiche Kunsthändler und Galeristen ein „Neo-“ gesetzt hätten, und andererseits in einem Zeitgeist der Beliebigkeit, dem das Gefühl für die Notwendigkeit als Nährboden für Kunst fehlt. Nefe scheut sich nicht, mit seinen ungeschminkten Einschätzungen in den Ruf eines Kritikers seiner Zeit zu geraten, die es dergestalt vielleicht versäumt, sich jemals zu einer Epoche zu entwickeln. Er selbst erweist sich allerdings gerade dadurch als ein Künstler von Authentizität und mit Individualität. Gerade einen derart kritischen Geist reizt es natürlich, nach Lieblingskunstwerk und Künstlervorbildern zu fragen. Nefe selbst sagt zwar, wer nicht viel liest, wird kaum je selbst ein gutes Buch schreiben, und wer sich nicht für die Werke anderer Künstler interessiert, dem wird kaum je ein Werk von Bedeutung gelingen, glaubt aber dennoch nicht, daß ein Künstler, der aus Notwendigkeit zur Kunst gefunden hat, jemals der treue Fan eines anderen Künstlers sein könne. Nefe hat persönlich kein spezielles Lieblingswerk, weder aus eigener Produktion, noch eines anderen Künstlers, vielmehr vertritt Hugo Nefe ohnehin die Auffassung, daß insbesondere er selbst als Künstler das Gesamtschaffen eines Künstlers zu sehen und zu beurteilen habe. Beispielgebend führt er an, daß ihm das Werk Jonathan Meeses ohne Kenntnis dessen Persönlichkeit nichts sagen würde.

 

Nefes Gesamtkunstwerk ist facettenreich, angefangen von Malerei, Photographie, Keramik, Bildhauerei bis hin sogar zum Buchautor reicht sein Kunstschaffen, wobei die gesamte Bandbreite vom Gegenständlichen bis zum Abstrakten abgedeckt wird. Wie sich der Betrachter oder potentielle Kunde seinen Werken nähern soll, weist Nefe bewußt nicht an und vertritt diesbezüglich auch einen unverwechselbaren Standpunkt. Künstler, die sich berufen fühlten, den Leuten zu erklären, wie diese sich ihrer Kunst nähern sollten, hätten ihren Beruf verfehlt, dies solle den Museumspädagogen überlassen bleiben. Auch haben für Nefe gegenständliche oder abstrakte Kunstwerke nur verschiedene Verpackungen, besitzen jedoch dieselben Grundinformationen, die sich lediglich an unterschiedlich gepolte Gehirne als Adressaten richten. Dies anzuerkennen, darf man Toleranz fordern, jedes weitere Vermittlungsbemühen gerät nach Nefe jedoch leicht in die Nähe eines Dressuraktes.  

 

Auf seine Erfolge im fernöstlichen Erdteil, speziell in China angesprochen, führt er unberechenbares Schicksal an, das es wollte, in China zu einem größeren Bekanntheitsgrad zu gelangen als in Deutschland, weist darüber hinaus aber auch auf den universellen Charakter hin, welcher der Kunst per se innewohnt. Die charakteristische landestypische Merkmale in den Vordergrund bringende sogenannte Volkskunst, ordnet Nefe vielmehr dem kunsthandwerklichen Schaffen zu, und wenngleich Nefe in China auch insofern sprichwörtlich Flagge zeigte, indem er in zahlreichen Bildern nur das Schwarz-Rot-Gold der deutschen Fahne thematisierte, sieht Nefe sich nicht als Kunsthandwerker.

 

In jedem Fall ist Nefe aber aufgrund seiner Vielfältigkeit ein sehr kompletter Künstler, dem es um das Wesentliche in seiner Kunst geht. Das Wesentliche seiner Kunst ist für Nefe der Prozeß des Schaffens an sich, aus dem heraus für ihn der Erkenntnisgewinn, sein Grundmotiv kreativen Schaffens, resultiert. Wie Hugo Nefes Erkenntnisgewinn während des Schöpfungsprozeß an seinen Kunstwerken vor sich geht, drückt sich am besten in einem Originalzitat aus: „Das in dieser Phase des „Außer-mir-seins“ entstehende Produkt hat für mich nur den Wert eines Hinweises auf die Möglichkeit des „Außer-sich-seins“. Denselben Hinweis in umgekehrter Richtung erhalten wir beispielsweise vom Zen-Mönch, wenn er uns durch sein Verhalten mitteilt, dass es ein „In-sich-ruhen“ gibt. Wie der in sich Ruhende einen größeren Überblick über das ihn Umgebende gewinnt, so entwickle ich als außer mir Stehender einen klareren Blick auf mich selbst.“ Zumindest während der Entstehungsphase seiner Werke hat seine Kunst für ihn persönlich etwas Reflexives.

 

Dieser mit so musenhaften Idealvorstellungen von Kunst ausgestattete Künstler, der gemäß so mancher seiner Aussagen geradezu aus der Zeit gefallen scheint, überrascht fast damit, auch Auftragsarbeiten zu übernehmen, wenngleich er deutlich macht, sich diesbezüglich keinem Verdienstzwang - der versklaven und beflügeln zugleich kann - zu unterwerfen. Auftragsarbeiten, die Hugo Nefe annimmt, dürfen sich nur auf den Auftrag beschränken, ohne die freie Hand bei Idee und Ausführung einzuschränken. Lieber begnügt sich Nefe mit einer Entwurfspauschale ohne zur Ausfertigung zu schreiten, ehe er von diesem Prinzip abrücken würde. Zum Arbeitsethos befragt, bezeichnet er als seine Stechuhr die Begeisterung fürs Werk und den Willen, ein bestimmtes Projekt voranzutreiben. Bezüglich dem Mäzenatentum heutiger Tage glaubt der Realist in Hugo Nefe nicht an Unterschiede zu anderen Zeiten und sagt: „Schon Gaius Maecanas hat den Dichter Horaz nicht nur für seine schönen Verse bezahlt.“ - Fazit: In Hugo Nefe verkörpert sich ein Künstlertypus außerhalb gewohnter Schubladen mit klaren Konturen und fest gegründeten Standpunkten, der ein selbstbestimmtes Kunstverständnis zum Ausdruck bringt, das objektiv in seiner ganzheitlichen Anschauung und subjektiv in seiner individuellen Unabhängigkeit ist.

Letzte Änderung am Dienstag, 07 Februar 2017 21:00
Click me
Blick ins Atelier - Hugo Nefe besticht mit Farbe
Blick ins Atelier - Hugo Nefe besticht mit Farbe

Kontakt

ARTemis Invest GmbH

Hollerallee 8

D-28209 Bremen

 

Email:

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!