Henri-Lucien Doucet „Nach dem Ball“ (1889)

Frankfurt am Main - Ein Zeitgenosse der Post- und Neoimpressionisten und ebenfalls zum Teil von impressionistischen Strömungen beeinflußt, doch im Wesentlichen als Realist zu betrachten, war Henri-Lucien Doucet. Er malte unter anderem Historienbilder und Genreszenen. Mit letzteren hatte er seine größten Erfolge, doch auch seine zahlreichen Portraits, oft Pastelle, waren sehr beliebt. Zudem tat er sich als Lehrer an der Académie Julian hervor.

Geboren wurde Doucet 1856 in Paris, gehörte also etwa der Generation Signacs (1863-1935), Seurats (1859-1891) und van Goghs (1853-1890) an. Er studierte Malerei an der Académie Julian unter den legendär zu nennenden Lehrern Gustave Boulanger (1824-1888) und Jules Joseph Lefebvre (1836-1911). 
1877 bereits, im Alter von nur 21 Jahren, nahm er bereits am Pariser Salon teil, wobei seine dort ausgestellten Bilder wegen ihrer Freizügigkeit einen kleinen Skandal auslösten. Es sollte nicht die einzige Konfrontation mit der etablierten Kunstwelt im Leben des streitbaren Künstlers bleiben.

1880 gewann er den Grand Prix de Rome, ein von der französischen Regierung bereits seit 1663 einmal jährlich verliehenes und erst 1968 unter Kulturminister André Malraux abgeschafftes Stipendium, welches herausragenden Nachwuchskünstlern einen mehrjährigen Studienaufenthalt in Rom ermöglichen sollte.

Sein Leben war kurz, und der Hauptanteil seines künstlerischen Schaffens entstand in einer Spanne von nur 15 Jahren. Als besonders bemerkenswert gelten z.B. „Carmen” (1884), „La princesse Mathilde Laetitia Wilhelmine Bonaparte“ und „Mes Parents“ (beide 1890) und „Une Espagnole“. Als sein bedeutendstes Werk und typisch für seine damals als etwas anrüchig empfundenen Arbeiten gilt jedoch weithin das hier gezeigte „Après le bal“ von 1889. Zu bemerken ist eine sich in den Jahren zusehends aufhellende Farbpalette.

Ab 1888 lehrte Doucet selbst an der Académie Julian. Zu seinen Schülern gehörten der vor allem als Illustrator hervorgetretene Jules Benoit-Lévy (1866-1952), William Henry Drake (1856-1926), ebenfalls vor allem als Illustrator bedeutend, u.a. von Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“, und Victor Pierre Ménard (1857-1937), der vor allem ländliche Szenen und Intérieurs malte.

1889 erhielt Doucet eine Medaille erster Klasse für Pastelle. Dieses Metier bevorzugte er in seinen späteren Jahren, wobei er sich sowohl inhaltlich als auch stilistisch deutlich zurückhaltender gab. 1891 wurde er Ritter der Ehrenlegion, und 1893 wurde eines seiner Gemälde auf der anläßlich des 400. Jahrestages der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus veranstalteten (und deshalb auch als „World’s Columbian Exhibition“ bezeichneten) Weltausstellung in Chicago gezeigt. Nur zwei Jahre später bereits starb dieser durchaus eigenständige Maler einer bereits zur leichten Dekadenz neigenden Haute Societé.

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