Hans Thuar – Landschaftsmaler des rheinischen Expressionismus

Berlin – Herrlich farbenfrohe und später zurückhaltendere, doch gleichsam sehenswerte Gemälde verdanken wir Hans Thuar, einem engen Freund August Mackes und führenden Vertreter des rheinischen Expressionismus.

Geboren wurde Hans Thuar 1887 in Treppendorf, heutzutage ein Ortsteil von Lübben im Spreewald. 1892 folgte die Familie dem Vater nach Köln, wo dieser eine Stelle bekommen hatte; Hans Thuar besuchte in Köln bis 1907 die Schule. Ostern 1897 geriet er mit einem Jungen in eine Rauferei um Ostereier, welche zu einer lebenslangen, tiefen Freundschaft führte; der Junge hieß August Macke. Im Alter von 11 Jahren, 1899, geriet Hans Thuar unter die Pferdebahn und wurde lebensbedrohlich verletzt. Ihm mußten beide Beine amputiert werden; es war Macke, der seinen Freund fast täglich im Krankenhaus besuchte und ihm neuen Mut gab. Angeregt durch Macke begann er mit der Malerei, und auch, als dieser 1900 nach Bonn zog, blieb der Kontakt bestehen.

 

Ein erstes Ölbild Thuars entstand 1903, und neben der Schule lernte er bei Professor Hermann Wegelin in Köln. Nach seinem Schulabschluß 1907 bis ins Folgejahr studierte er kurzzeitig an der Akademie in Düsseldorf, empfand dies jedoch (wie zuvor bereits Macke) als beengend und bildete sich anschließend auf eigene Faust weiter, wozu wenig Details bekannt sind.

 

1911 jedenfalls konnte er mit bereits sehr kraftvollen Bildern, vorrangig Landschaften von leuchtend expressiven Farben und kräftiger Zeichnung, aufwarten, als er sich erstmals auf einer Ausstellung der Cölner Secession der Öffentlichkeit präsentierte. Es folgten Beteiligungen 1912 an der Sonderbundausstellung in Köln, 1913 erneut die Cölner Secession, die programmatische und sehr erfolgreiche Schau „Rheinische Expressionisten“ in Bonn (gemeinsam mit August und Helmuth Macke, Heinrich Campendonk und Max Ernst) sowie Herwarth Waldens „Erster Deutscher Herbstsalon“ in Berlin.

 

August Macke fiel bereits im September 1914 an der Westfront, und für Thuar brach mit diesem Verlust eine Welt zusammen; er stellte für einige Jahre die Malerei ein. Der Zwang, wirtschaftlich über die Runden zu kommen, zwang ihn nach dem Krieg in das Geschäftsleben – hier entdeckte er den Bereich der Aromatherapie mit ätherischen Ölen für sich und erwies sich hierbei als begnadet und erfolgreich, und in Folge nahm er auch wieder den Pinsel zur Hand. Seine größte Schaffensphase währte von den frühen bis mittleren 1920er Jahren, wobei er im Wesentlichen an seine frühen Arbeiten anknüpfte, sich überdies noch mit Aquarell und Druckgraphik befaßte.

 

Es folgte erneut eine Phase der Depression und wirtschaftlicher Mißerfolge, wobei jedoch die Hochzeit seiner Tochter Gisela mit August Mackes Sohn Wolfgang einen Lichtblick darstellte. Der Schiwegersohn überzeugte ihn 1938 zu einem Erholungsaufenthalt im oberbayrischen Ried, wo er bei Maria Marc, der Witwe Franz Marcs, welcher gleichfalls eng mit August Macke befreundet gewesen war, unterkam. Hier entstanden noch einmal eine Reihe geschmackvoller Landschaftsaquarelle. Von Repressionen seitens der NS-Regierung blieb Thuar, trotz derer Feindschaft gegen den Expressionismus, weitgehend verschont – womöglich erwies sich gerade seine eher geringe Bekanntheit als Segen. Allerdings führte der Krieg mit seinen Folgen erneut zu Depressionen und einem Verlust an Schaffenskraft.

 

Im Oktober 1944 fiel Thuars Haus in Ramersdorf einer Luftmine zum Opfer, und er wurde in ein Pflegeheim nach Schwarza bei Rudolstadt (Thüringen) evakuiert. Seine älteste Tochter, aus vorehelicher Beziehung, nahm ihn jedoch bei sich auf; er starb im Herbst 1945 nach schwerem Leiden in Langensalza. Wolfgang Macke verfaßte später die erste Monographie über Thuar, und in Bonn wird jährlich vom Direktor des dortigen Kunstmuseums zu seinem Gedenken der Hans-Thuar-Preis an einen Künstler der Region verliehen.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/340-helmuth-macke-und-die-expressionisten-im-erfurter-angermuseum.html?highlight=WyJoYW5zIiwidGh1YXIiLCJoYW5zIHRodWFyIl0=
http://www.kunstmarkt.com/pageskue/kunst/_id7691-/kuenstlerbio_bericht.html?_q=%20
https://www.lempertz.com/de/kataloge/lot/905-1/867-hans-thuar.html
https://www.treffpunkt-kunst.net/k%C3%BCnstlerprofile-bonner-k%C3%BCnstler/hans-thuar/

Letzte Änderung am Dienstag, 10 April 2018 13:41
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Hans Thuar „Endenicher Straße“ (Öl auf Leinwand, 50,5 x 65,5 cm, 1911)
Hans Thuar „Endenicher Straße“ (Öl auf Leinwand, 50,5 x 65,5 cm, 1911)

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