Gemeinsame Ausstellung von Dahl und Friedrich im Dresdner Albertinum

Dresden - Fast zwanzig Jahre lebten und schufen die beiden berühmten Maler der Romantik Caspar David Friedrich (1774-1840) und der aus Norwegen stammende Johan Christian Dahl (1788-1857) in Dresden. Beide verband eine enge Freundschaft. Zum ersten Mal widmet sich eine Ausstellung im Albertinum nun den herausragenden Werken der beiden im Kontext ihrer Freundschaft.

Den Besucher erwarten etwa 100 Bilder traumschöner Landschaften voller alter Ruinen, Hünengräber, knorriger Eichen, Meeresufer und Gebirgszüge vor gewaltigen Wolkenwänden – in Stil und Motivik ähneln beide Maler einander. Und auch die Lebensläufe der beiden bedeutendsten Protagonisten der nordischen Landschaftsmalerei zur Zeit der Romantik ähneln einander: beide besuchten die Kunstakademie in Kopenhagen, bewarben sich erfolglos auf eine Professorenstelle in Dresden und hatten weitreichende Kontakte zu den europäischen Höfen: so finanzierte einst der preußische König Friedrich Wilhelm III. C. D. Friedrichs „Mönch am Meer“ und „Abtei im Eichwald“ und der dänische Kronprinz Christian Frederik spendierte Dahl eine Studienreise nach Italien.

 

1823 kehrte Dahl schließlich zurück und zog in Dresden in das Haus An der Elbe 33 ein – jenes Haus, in dem auch Friedrich und seine Frau Caroline leben. Von nun an wohnten die zwei großen Romantiker unter einem Dach, arbeiteten in benachbarten Ateliers, unterrichteten Schüler und pflegten eine enge Freundschaft. „Ihr Haus wird zu einem Zentrum von jüngeren Künstlern, also der nächsten Generation der Romantiker. Oehme, Heinrich gehört dazu, aber auch Carus. Und es wird zu einem Zentrum von Kunsttheoretikern und Sammlern“, erklärt Hartwig Fischer, der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

 

Beide Künstler stehen in engem Austausch und beeinflussen einander gegenseitig. So übernimmt Friedrich etwa die Technik der Ölstudie von seinem jüngeren Kollegen, wie im „Hügel mit Bruchacker“ besonders gut zu erkennen sei. „Diese Landschaft: wenn man da schaut, wie die Silhouette gemacht ist, da ist das genau eingeflossen“, so Kuratorin Petra Kuhlmann-Hodick. Durch ganz feine farbige Akzente erzeugte Friedrich so eine bis dahin eher Dahl eigene Leichtigkeit. Dieser übernimmt dafür von Friedrich die so typische Rückenansicht, die in die Landschaft hineinschaut. Ein Element, welches er fortan gleich mehrfach zeichnet. „Man kann schon sagen, dass dieses Element Dahl motivisch übernommen hat. Da hat Friedrich ganz sicher eine Art Vorbildwirkung für Dahl gehabt.“

 

So ähnlich die Motivwahl der beiden auch war, so unterschiedlich sind die Ergebnisse ihrer Beobachtungen: während Caspar David Friedrichs Bilder in die Stille, ins Träumen führen, scheinen Johan Christian Dahls bewegte, dramatische Werke den Betrachter in die Aktion zu werfen. „Dahl war ein sehr beweglicher Mensch, war sehr umgänglich, fand überall Freunde, Bekannte, Austausch, Förderer, Sammler. Ist bis nach Italien gereist. Und Friedrich ist ein eher sesshafter Mensch. Ist ein sehr in sich gekehrter Mensch, ein außerordentlich kluger Mann und wahrscheinlich ein zutiefst melancholischer Mensch“, erläutert Fischer. Friedrichs Menschenscheu schlug in den letzten fünf Jahren seines Lebens schließlich sogar in Menschenfeindlichkeit um. In dem Glauben, niemand verstehe seine Kunst, zog sich der große Romantiker immer mehr zurück. Die Vereinsamung führte schlussendlich auch zu finanziellen Schwierigkeiten. Am 7. Mai 1840 starb Friedrich, in Folge zweier Schlaganfälle nahezu vollständig gelähmt, in Dresden.

 

Nach seinem Tod drängte Dahl die Königliche Gemäldegalerie dazu, Friedrichs Witwe ein Werk ihres Mannes abzukaufen – zu Lebzeiten besaß kein Dresdner Museum auch nur ein einziges Gemälde von ihm. Im Gegenzug erklärte sich Dahl dazu bereit, ebenfalls ein Werk Friedrichs an die Galerie zu verkaufen: „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ - Dahl hatte es zwanzig Jahre zuvor kurz nach seiner Ankunft in Dresden als Freundschaftsgabe von Friedrich erhalten.

 

Die Ausstellung, die eine Zusammenarbeit des norwegischen Nasjonalmuseet und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist, wird noch bis zum 3. Mai 2015 im Albertinum in Dresden zu sehen sein.

Letzte Änderung am Freitag, 20 März 2015 16:28
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Johan Christian Dahl (1788 – 1857), Blick auf Dresden bei Vollmondschein, 1839
Johan Christian Dahl (1788 – 1857), Blick auf Dresden bei Vollmondschein, 1839

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