Friedrich Nerly – ein Spätromantiker in Italien

Frankfurt am Main - Wie so mancher Vertreter seiner Generation war der spätromantische Maler Friedrich Nerly von der Italiensehnsucht gepackt. Populär wurde er vor allem mit seinen Stadtansichten Venedigs. Sein zu guten Teilen der Mode der Zeit geschuldeter Ruhm verblaßte nach dem Tode rasch, doch wer romantische Malerei zu schätzen weiß, wird Nerlys Werk auch aus heutiger Perspektive noch beachtenswert finden.

Geboren wurde er 1807 als Christian Friedrich Nehrlich in Erfurt, später sollte er sich italienisiert Federico von Nerly nennen; die Kunsthistorie bezeichnet ihn auch, zur Unterscheidung von dem in den Fußstapfen des Vaters wandelnden Sohn, als Friedrich Nerly der Ältere.

 

Der Vater, ein Postsekretär, starb bereits 1815, und so wurde der Junge vom Bruder der Mutter in Hamburg aufgezogen. Dieser war Musiker und erkannte und unterstützte die künstlerische Begabung seines Zöglings, seinen ersten Zeichenunterricht gab ihm die Gattin dieses Onkels. Ebenfalls ein Onkel Friedrichs war der Druckgraphiker Heinrich Joachim Herterich. Herterich, der Jahre zuvor auch den großen Philipp Otto Runge unterrichtet hatte, gab ihm weiteren Zeichenunterricht und nahm ihn in seiner lithographischen Werkstatt als Lehrling auf.

 

Schließlich machte er die Bekanntschaft des Malers, Radierers, Schriftstellers und Kunstsammlers Carl Friedrich von Rumohr, der ihn ab 1823 als Schüler unter seine Fittiche nahm und nach Kräften förderte und seiner Überzeugung entsprechend insbesondere zu genauen Naturstudien anhielt. 1827 ging Rumohr in Begleitung seines Schützlings auf eine längere Reise, die ihn in den Harz, nach Weimar (wo es zu einer Begegnung mit dem alten Herrn von Goethe kam), nach München und schließlich nach Italien führte.

 

Der italienbegeisterte Friedrich reiste im Folgejahr alleine nach Rom weiter, wo er sich fürs Erste niederließ, sich italienisierend Nerly nannte und die Bekanntschaft des Wahlrömers Johann Christian Reinhart machte. Dieser stilistisch zwischen Klassizismus und Romantik stehende Maler war nach Eigenaussage Nerlys neben Rumohr der einzige, der ihn künstlerisch beeinflußte. In Rom residierte auch ein lockerer Verein dort ansässiger deutscher Künstler, die Ponte-Molle-Gesellschaft, deren Kostümfeste Nerly bis zu seiner Abreise 1835 leitete. Zwar diente dieser Verein weit eher der humorvollen Erbauung, war aber immerhin die Keimzelle des durchaus ernstzunehmenden Deutschen Künstlervereins.

 

Nach dem Verlassen Roms bewegte Nerly sich einige Zeit durch Süditalien, bis er nach Venedig kam und dieses zu seiner Wahlheimat machte, wo er den Rest seines Lebens verbringen sollte. Er wurde Mitglied der venezianischen Kunstakademie, heiratete eine adlige Venezianerin und avancierte zu einem bedeutenden Vertreter der Vedutenmalerei. Seine romantisierenden Stadtansichten trafen den Nerv der Zeit und wurden auch kommerziell ein großer Erfolg; die Piazetta bei Mondschein brachte er, verteilt über einen Zeitraum von 1838 bis in die 1870er Jahre, in 36facher Ausführung auf die Leinwand. 
Besuch aus Erfurt bekam er ab 1841 mehrfach in Gestalt des befreundeten Malers Eduard Gerhardt, mit welchem er auch künstlerisch erfolgreich kooperierte. 1852 wurde er durch König Wilhelm I. von Württemberg mit dem Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens der Württembergischen Krone ausgezeichnet und somit persönlich in den Adelsstand erhoben.

 

Als Nerly 1878 in Venedig starb, vermachte er seinen gesamten Nachlaß seinem Sohn, dem ebenfalls vorwiegend mit italienischen Stadtansichten hervorgetretenen Maler Friedrich Paul Nerly (auch bekannt als Friedrich Nerly der Jüngere). Dieser wiederum schenkte später diese umfangreichen Bestände (über 800 Zeichnungen und Gemälde) der Stadt Erfurt; sie wurden zum Grundstein der 1886 ins Leben gerufenen Gemäldegalerie des Erfurter Angermuseums.

 

 

Verweise:

 

http://edizionicafoscari.unive.it/media/pdf/article/mdccc-1800/2012/1/friedrich-nerly-in-venedig/art-10.14277-2280-8841-2012-001-04.pdf 
http://www.zeit.de/1957/18/friedrich-nerly-neu-entdeckt 
http://www.erfurt-lese.de/index.php?article_id=11134 
https://www.welt.de/welt_print/article1365142/Warum-Friedrich-Nerly-die-Piazzetta-so-liebte.html 
http://www.aski.org/portal2/cms-askiev-casa-di-goethe/aski-ev---casa-di-goethe---nachlass-deutscher-aski-ev---casa-di-goethe---nachlass-des-deutschen-kuenstlervereins/arbeitskreis-selbstaendiger-kultur-institute-ev--aski--casa-di-goethe-in-rom--kuenstlerverein.html

Letzte Änderung am Freitag, 28 April 2017 01:53
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Friedrich Nerly „Die Seufzerbrücke in Venedig bei Mondlicht“ (Öl auf Leinwand, ca. 1860)
Friedrich Nerly „Die Seufzerbrücke in Venedig bei Mondlicht“ (Öl auf Leinwand, ca. 1860)

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