Einer der bedeutendsten Präraffaeliten: John Collier

Frankfurt am Main - John Collier war zum einen als Schriftsteller recht erfolgreich, vor allem aber war er (und darum geht es an dieser Stelle natürlich) einer der führenden Vertretern der präraffaelitischen Bewegung und seinerzeit einer der beliebtesten britischen Porträtisten. Seine Arbeiten sind von einem starken Ästhetizismus geprägt, und der Betrachter, je nach eigener Seelenlage, mag sie wahlweise als Kitsch oder Magie empfinden.

Geboren wurde er 1850 in einer hochangesehenen Familie. Großvater und Vater waren Parlamentsabgeordnete, der Vater, erster Lord Monkswell, brachte zudem bereits künstlerische Neigungen mit und war Mitglied der Royal Society of British Artists. Auch Colliers älterer Bruder, der zweite Lord Monkswell, brachte es als stellvertretender Kriegsminister und Vorsitzender des London County Council zu einem hohen gesellschaftlichen Rang.

 

Collier besuchte zunächst das renommierte Eton College. Seine formale künstlerische Ausbildung begann er in London an der zum University College gehörenden Slade School of Art; sein Lehrer dort war der vor allem durch historische Monumentalgemälde bekanntgewordene Edward Poynter. Anschließend studierte er in Paris bei dem Historienmaler Jean-Paul Laurens und ab 1875 in München an der Akademie. Unmittelbaren Einfluß hatten auch der aus Holland stammende akademische Maler Sir Lawrence Alma-Tadema sowie Sir John Everett Millais, ein früher Vertreter der Präraffaeliten.

 

1879 heiratete Collier Marian Huxley. Diese war eine Tochter des Biologen Professor Thomas Henry Huxley, dem Vorsitzenden der Royal Society, hatte wie Collier an der Slade School Malerei studiert und eine eigenständige erfolgreiche Künstlerkarriere begonnen; von ihr stammt auch ein sehr eindrückliches Porträt ihres Mannes. Allerdings erkrankte sie nach der Geburt ihrer Tochter Joyce (welche später als Malerin von Porträtminiaturen hervortreten sollte) an schweren Depressionen und sollte deshalb in Paris behandelt werden, wo sie sich eine Lungenentzündung zuzog, an deren Folgen sie 1887 starb.

 

Collier blieb indes der Familie Huxley verbunden. Nicht nur war er mit dem Bruder seiner verschiedenen Frau, dem Schriftsteller Leonard Huxley, eng befreundet, er heiratete überdies 1889 Marians jüngere Schwester, was in England bis 1907 verboten war, weshalb die Hochzeit in Norwegen geschlossen wurde. Aus dieser Ehe gingen eine weitere Tochter und ein Sohn hervor.

 

1891 war er einer der Mitbegründer und Vizepräsident der Royal Society of Portrait Painters, auch im Royal Institute of Oil Painters war er Mitglied. Er stellte eine große Zahl von Gemälden bei der Royal Academy of Arts wie auch bei der Royal Society of Portrait Painters aus. Er verfaßte mehrere bedeutende Lehrwerke der Malerei und wurde 1920 mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet.

 

Als Collier 1934 in London starb, hatte er also eine ganz beachtliche Karriere hinter sich. Er hatte Vertreter des Hochadels wie den Herzog von York (den späteren König George V) oder den Prinzen von Wales (später Edward VIII) gemalt, den Schriftsteller Rudyard Kipling oder Wissenschaftler wie Charles Darwin und seinen Schwiegervater Professor Huxley. Überdies stammen aus seiner Hand, in typisch präraffaelitischer Manier, historische und mythologische Szenen - bemerkenswerterweise standen diesem Hang zum Mythischen weitgehend agnostische bis säkuläre Ansichten entgegen. Colliers Gestalten wirken oft erhaben, distanziert, rätselhaft; dabei bediente er sich allerdings gerne kraftvoller Farben.

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John Collier „Lady Godiva“ (1898)
John Collier „Lady Godiva“ (1898)

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