Detlev Blunck – zwischen Kopenhagener Kunstakademie und holsteinischem Separatismus

Frankfurt am Main - Im Spannungsfeld zwischen deutscher und dänischer Kultur und Staatlichkeit stand der Maler Blunck, welcher sich mit Historienmalerei, Genreszenen, Porträts und religiösen Motiven befaßte. Er gilt als einer der bedeutenden Vertreter der Malerei des Dänischen Goldenen Zeitalters, der kulturellen Blüte Dänemarks in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dabei kann seine Biographie als Kristallisation damaliger deutsch-dänischer Identitätsfragen gesehen werden.

Geboren wurde Detlev (dänisch: Ditlev) Konrad (auch: Conrad) Blunck 1798 in Münsterdorf bei Itzehoe im damals zum dänischen Königreich gehörenden Holstein, dort trafen sich dänische, deutsche und friesische Einflüsse. Obwohl der deutschen Volksgruppe angehörend, begann er 1814 sein Kunststudium selbstverständlich an der angesehenen Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen, wo er bis 1818 bleiben sollte. Sein wichtigster Lehrer dort war der neoklassische Maler Christian August Lorentzen.

 

Anschließend lernte er für zwei Jahre an der Münchener Akademie bei Johann Peter von Langer, einem entschiedenen Vertreter eines recht strengen akademischen Klassizismus. Im Sommer 1820 ging er zurück nach Kopenhagen, schrieb sich erneut an der dortigen Akademie ein und nahm Unterricht bei Christoffer Wilhelm Eckersberg, welcher seit 1818 dort eine Professur innehatte. Dieser realistische Historienmaler gilt als Vater der Malerei des Dänischen Goldenen Zeitalters.

 

Von besonderem Einfluß war allerdings sein zweiter Lehrer in dieser Periode, Johann Ludwig Lund, welcher gute Kontakte zu deutschen Romantikern wie Caspar David Friedrich hatte, der religiösen Malerschule der Nazarener nahestand und somit innerhalb des Dänischen Goldenen Zeitalters den romantischen Gegenpol zum Realismus eines Eckersberg verkörperte. Für seinen Beitrag zur großen Kunstausstellung der Kopenhagener Akademie 1827 wurde Blunck mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

 

Von 1828 bis 1838 unternahm er eine äußerst ausgedehnte Studienreise, deren Stationen unter anderem Berlin, Dresden, München, Venedig, Florenz und Rom waren. Der durch Lund vermittelte romantische Einfluß verstärkte sich hierbei noch, Blunck entfernte sich zusehends von der akademischen Historienmalerei. Er begegnete C. D. Friedrich und Johann Friedrich Overbeck, einem der führenden Nazarener. Dieser muß einen starken Eindruck hinterlassen haben, denn der nun von Blunck entwickelte Stil war sehr an jenem der Nazarener orientiert. Auch Werke Peruginos und Raffaels wurden nach Eigenaussage des Künstlers zu einer wichtigen Inspiration.

 

1838 ging Blunck nach Dänemark zurück, sah sich jedoch 1840 gezwungen, das Land zu verlassen. Sinkender künstlerischer Erfolg, seine patriotisch-deutsche Gesinnung und eine mögliche Verfolgung wegen Homosexualität könnten als Gründe betrachtet werden. Jedenfalls ging er zunächst nach Berlin, 1841 nach München, von 1842 bis 1846 lebte er in Wien, dann wieder ein Jahr in Berlin und nochmals ein Jahr in Wien, wo der Maler Christian Carl Magnussen ihn überzeugte, sich einem patriotischen schleswig-holsteinischen Freikorps anzuschließen, welches zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung gegen die dänische Krone kämpfte. Ein Selbstporträt aus jener Zeit zeigt Blunck als Kämpfer mit Tirolerhut. Blunck starb 1853 in Hamburg, war jedoch auch in seinen letzten Jahren noch künstlerisch tätig geblieben.

 

 

Verweise:

http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/detlev-konrad-blunck/auktionsresultate
http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Nachrichten-Kultur/Nachrichten-Kultur/Kopenhagen-Der-Maler-Detlev-Blunck-im-Museum-Nivaagaard

Click me
Detlev Blunck „Albtraumszene“ (1846)
Detlev Blunck „Albtraumszene“ (1846)

Kontakt

ARTemis Invest GmbH

Hollerallee 8

D-28209 Bremen

 

Email:

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!