Der wallonische Schwarzromantiker Antoine Joseph Wiertz

Frankfurt am Main - Die Romantik hatte bekanntermaßen eine überaus dunkle Seite, welche sich mit dem Übernatürlichen, Mystischen, Verruchten befaßte, diese „Schwarze Romantik“ gebar in der Literatur den Schauerroman bzw. die Gothic Novel (E.T.A. Hoffmann, E.A. Poe, Ann Radcliffe usw. fallen einem dabei ein), doch fand auch in der Malerei ihren Niederschlag. Einer der prägnantesten Vertreter dieser Strömung war der Belgier Antoine Joseph Wiertz. Dieser Sonderling kann auch als früher Protagonist des Symbolismus gesehen werden.

Geboren wurde er 1806 im wallonischen Dinant in einer eher mittellosen Familie. Er hatte indes das Glück, das an der Schule sein künstlerisches Talent bereits früh auffiel, so daß er schon 1820, mit nur 14 Jahren, an die Antwerpener Kunstakademie vermittelt werden konnte. Er lernte dort bei Willem Jacob Herreyns und Mathieu Ignace van Brée, beide widmeten sich in erster Linie einer akademischen Historienmalerei, was für seine technischen Kenntnisse nur von Vorteil gewesen sein dürfte. Durch die Fürsprache eines Gönners am Königshof erhielt er ab 1821 einen jährlichen Ehrensold. Von November 1829 bis Mai 1832 hielt er sich in Paris auf und studierte die im Louvre zu besichtigenden Werke der alten Meister.

 

1828 hatte er sich erstmals um den beim Pariser Salon vergebenen Prix de Rome, ein mehrjähriges Stipendium für die Französische Akademie in Rom, beworben; er erzielte den zweiten Platz. Der zweite Versuch 1832 brachte ihm das begehrte Stipendium ein, und so hielt Wiertz sich von 1833(34?) bis 1837(38?) in Italien auf. In Rom befaßte er sich mit der Kunst der Antike, mit Michelangelo und Rubens. Auch entstand dort 1836/37 sein erstes Monumentalgemälde, betitelt „Kampf der Griechen und Troianer um den Leichnam des Patroklos“. Sein düsterer, von alten Meistern beeinflußter Stil zeichnete sich hier schon deutlich ab. Das Werk wurde in Antwerpen ausgestellt und fand guten Anklang, zum Pariser Salon 1838 kam es jedoch zu spät an, weshalb es dort abgelehnt wurde.

 

1838 kehrte er nach Belgien zurück und ließ sich im wallonischen Lüttich nieder. Er verdiente sein Geld mit kleineren Arbeiten, Porträts und Genrestücken, welchen er jedoch selbst wenig Wert beimaß; so verzichtete er meist auf eine Signatur. Da er an einem weiteren Monumentalgemälde arbeitete, nutzte er ein ehemaliges Kirchengebäude als Atelier. Am Pariser Salon 1839 konnte Wirtz mit mehreren Arbeiten teilnehmen, stieß jedoch auf wenig Zustimmung, was zu einer dauerhaften Aversiongegen Paris und die Kunstkritik führte. Bei einer Antwerpener Kunstausstellung im Folgejahr wurde er hingegen für „Eloge de Rubens“ mit dem ersten Preis geehrt.

 

1844 starb seine Mutter, was einen schweren Schlag darstellte. Er verließ Lüttich und zog nach Brüssel (hierzu finden sich verschiedene Zeitangaben). Sein wohl bekanntestes Werk, „Deux jeunes filles, ou la belle Rosine“ entstand jedenfalls in diesem Zeitraum. Der belgische König Leopold I. gehörte zu seinen größten Anhängern und Förderern; die Bewunderung des Königs ging so weit, daß er veranlaßte, daß Wiertz im nahe Brüssel gelegenen Ixelles ein eigenes Atelier auf Staatskosten errichten ließ – ein ganzes Gebäude, gebaut nach Wiertz’ eigenen Plänen, welches ihm bis zu seinem Tode zur Verfügung stand.

 

Wiertz experimentierte ausgiebig mit neuen Maltechniken und Farben. Ihm mißfiel die glänzende Ölmalerei, er suchte einen Weg, auf der Leinwand die matte Wirkung der Wandmalerei imitieren zu können und erfand so das „peinture mate“. Er hatte seinen eigenen Stil gefunden, in dem sich meisterliche Technik, barockes Helldunkel und die morbiden Themen der schwarzen Romantik verbanden. Verbrechen, Suizid, Hinrichtungen, verborgene Ängste bildete die hauptsächliche Fundgrube seiner Arbeiten, was natürlich nicht überall gut ankam. In manchen seiner Bilder wirkt er wie ein unmittelbarer Vorläufer eines Franz von Stuck. Allerdings malte er auch Genreszenen und hochwertige Porträts.

 

Neben der Malerei befaßte Wiertz sich auch mit dem Kupferstich sowie der Plastik. Er starb 1865 in Ixelles. Sein Oeuvre übernahm der belgische Staat, das Atelier wurde recht bald nach dem Tod des Künstlers zum Museum umgestaltet und ist als solches bis heute zu besichtigen.

 

 

Verweise:

http://www.arthistoryarchive.com/arthistory/gothic/arthistory_antoinewiertz.html
https://www.fine-arts-museum.be/en/museums/musee-wiertz-museum

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Antoine Joseph Wiertz „Deux jeunes filles, ou la belle Rosine“ (1847)
Antoine Joseph Wiertz „Deux jeunes filles, ou la belle Rosine“ (1847)

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