Der magische Realist Alexander Kanoldt

Frankfurt am Main - Von neoimpressionistischen Anfängen ausgehend über eine Phase im Kreis der expressionistischen Neuen Künstlervereinigung München, der Keimzelle des späteren Blauen Reiters, fand Alexander Kanoldt seinen höchsten künstlerischen Ausdruck als Vertreter der Neuen Sachlichkeit, wobei er jedoch für eine sehr atmosphärische Variante dieser Strömung stand, den magischen Realismus.

Geboren wurde er 1881 in Karlsruhe; sein Vater war Edmund Friedrich Kanoldt, ein Landschafter des späten Klassizismus. Seine künstlerische Ausbildung begann er zunächst als Dekorationsmaler an der Kunstgewerbeschule seiner Heimatstadt; ab 1901 studierte er an der dortigen Kunstakademie. Sein erster bedeutender Lehrer war Ernst Schurth, welcher vor allem das Zeichnen vermittelte. Damals und dort begann auch die lebenslange Freundschaft mit Adolf Erbslöh. Künstlerisch war er zunächst vom Neoimpressionismus/Pointillismus inspiriert.

 

Ab 1904 besuchte er die Malklasse Friedrich Fehrs, dessen Meisterschüler er auch von 1906-1909 war. 1908 bereits war er nach München gezogen, wo er im Folgejahr mit Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky u.a. die Neue Künstlervereinigung München ins Leben rief, aus welchem 1911 der berühmte Blaue Reiter um Kandinsky, Macke und Marc entstehen sollte. Mit dieser Gruppe gab es drei Gemeinschaftsausstellungen in der Modernen Galerie Heinrich Thannhauser (München); 1913 wurde er, neben Erbslöh, Jawlensky, Paul Klee u.a., überdies Gründungsmitglied der Neuen Münchener Secession. Die Kriegsjahre 1914 bis 1918 diente er als Offizier.

 

Nach dem Krieg malte er häufig Stilleben, welche von André Derain und dem Kubismus beeinflußt waren. Prägend wurde ein Italienaufenthalt 1924, gemeinsam mit Erbslöh, wo die beiden eine neue Form multiperspektivischer, verschachtelter Architekturlandschaften zuwege brachten. Bedeutend wurde für ihn auch die Nähe zu Georg Schrimpf und dessen spezifischer Ausprägung der Neuen Sachlichkeit, bezeichnet als „magischer Realismus“. Dieser magische Realismus erinnert in seiner fremdartigen Stimmung bisweilen an de Chirico, auch eine gewisse Verwandtschaft zum Surrealismus läßt sich behaupten, ohne daß es jedoch gar so weit ins Absurde und das Reich der Träume hinein ginge. 1925 nahm er auch, u.a. mit Max Beckmann, an der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ in Mannheim teil.

 

Von 1925 bis 1931 hatte er eine Professur an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau inne. 1927 trat er der Badischen Secession bei, 1932 der Gruppe „Die Sieben“ (u.a. mit Schrimpf und Franz Radziwill). Ab 1933 leitete er die Staatliche Kunstschule zu Berlin. Eine für 1934 anberaumte Ausstellung anläßlich des 25jährigen Geburtstages der Neuen Künstlervereinigung München scheiterte an der Machtübernahme der Nationalsozialisten und deren rigider Kunstpolitik. Daß Kanoldt bereits 1932 in die NSDAP eingetreten war, sich zuvor auch schon zunehmend von der Avantgarde entfernt und sich schließlich mit neoromantisch geprägten Arbeiten den neuen Vorgaben anzupassen versuchte, änderte nichts an der Ablehnung seiner Werke, welche 1937 aus den öffentlichen Sammlungen entfernt wurden. Im Vorjahr hatte er bereits, allerdings aus gesundheitlichen gründen, seine Lehrstelle in Berlin aufgeben müssen. Er starb 1939 in Berlin an einem Herzleiden.

 

Verweise:

http://www.alexander-kanoldt.de/
http://www.tendreams.org/kanoldt.htm
http://www.kettererkunst.de/bio/AlexanderKanoldt-1881-1939.php

Click me
Alexander Kanoldt „Stilleben“ (Öl auf Leinwand, 1926)
Alexander Kanoldt „Stilleben“ (Öl auf Leinwand, 1926)

Kontakt

ARTemis Invest GmbH

Hollerallee 8

D-28209 Bremen

 

Email:

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!