Der irische Mystiker und Künstler George William Russell

Frankfurt am Main - Innerhalb der Irischen Renaissance, welche im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eine Wiedergeburt einer authentisch irischen Kultur anstrebte, gehörte er zu den bedeutendsten Intellektuellen. George William Russell, der oft das Pseudonym Æ nutzte, war Dichter, Journalist, theosophischer Mystiker und leidenschaftlicher Patriot – überdies hat er jedoch ein zwar weniger bekanntes, doch durchaus reizvolles malerisches Werk geschaffen.

Geboren wurde der Sohn eines Buchhalters 1867 im nordirischen Lurgan. 1878 zog die Familie nach Dublin um, und dort besuchte Russell ab 1880 die Metropolitan School of Art sowie ab 1882 die in einem Vorort Dublins gelegene Rathmines School. In jenen frühen Jahren bereits entstand die zwar nicht immer einfache, doch lebenslange Freundschaft mit William Butler Yeats. 1885 brach er allerdings die schulische Ausbildung bereits ab. 
Im selben Jahr gründete er mit Yeats und Charles Johnston eine örtliche Tochtergesellschaft der den Theosophen Helena Blavatskys nahestehenden Hermetic Society, welche in der irischen Nationalbewegung eine gewisse Rolle spielen sollte, und im Folgejahr trat er den Theosophen selbst bei und wurde zum Mitbegründer von deren Dubliner Loge. Den Rest seines Lebens blieb er in jenen Kreisen aktiv und verfaßte zahlreiche mystische Schriften, auch seine Dichtung und Malerei wurde von esoterischen Dingen beeinflußt. Er gab sich den Künstlernamen Æ, abgeleitet von Æon, und sah sich als hellsichtig und im Kontakt mit spirituellen Wesenheiten, die er bisweilen auch in Zeichnung und Malerei festhielt.

 

Als Politiker engagierte er sich als für eine lange Zeit wichtigster Organisator der 1894 von Horace Plunkett gegründetensozialreformerischen „Irish Agricultural Organisation Society“ (IAOS), welche sich die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kleinbauern und deren Befreiung aus den Fängen von Wucherern zum Ziel gesetzt hatte. Er setzte sich für die irische Einheit und Unabhängigkeit ein, lehnte allerdings dabei den bewaffneten Kampf ab. 
Ein weiterer Schwerpunkt seines Schaffens lag im schriftstellerischen und publizistischen Bereich. Er verfaßte eine ganze Reihe von Aufsätzen zu politischen und esoterischen Fragen, gab von 1905 bis 1923 die Zeitschrift „Irish Homestead“, das offizielle Organ der IAOS, sowie von 1923 bis 1930 „The Irish Statesman“ heraus. Vor allem aber verfaßte er mehrere Gedichtbände. Er starb 1935 in der englischen Grafschaft Dorset, wurde jedoch in Dublin beigesetzt.

 

Leicht verfügbares Material zu seinem Wirken als Maler ist eher spärlich gesät. Für seine Bilder verwendete Russell mit Vorliebe helle, zarte Farben, er malte sehr frei, intuitiv, ausdrucksstark. Nicht unbedingt im Stil, doch in der oft mystischen Stimmung, die selbst in seinen lebensfrohen Strandszenen und Darstellungen spielender Kinder zum Tragen kommt, lassen sich Bezüge zu Jugendstil, zum Symbolismus oder den Präraffaeliten herstellen. Bisweilen erinnert die naiv-folkloristische Art auch an den großen norwegischen Naturmystiker Theodor Kittelsen.

 

Verweise:

https://artuk.org/discover/artists/russell-george-william-a-e-18671935
http://www.bartleby.com/253/
http://www.craigavonhistoricalsociety.org.uk/rev/mcelroyrussell.html

Letzte Änderung am Donnerstag, 06 April 2017 01:43
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George William Russell „Badende“
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