Der frühe britische Kunstfotograf Henry Stuart-Wortley

Frankfurt am Main - Im Internet-Lexikon Wikipedia findet sich zu ihm nur ein sehr dürftiger Eintrag, wo er als Politiker der Tories gehandelt wird. Allerdings wird dabei die sicher wesentlichere Seite seines Lebens außer Acht gelassen, denn dieser Mann war zudem oder vor allem einer der Pioniere der Kunstfotografie in Großbritannien.

Geboren wurde er 1832 in Wortley, Yorkshire, unter dem vollständigen Namen Archibald Henry Plantagenet Stuart-Wortley. Über den Monat gehen die Angaben in der Literatur auseinander. Er war adliger Abkunft, sein Vater Charles James Stuart-Wortley-Mackenzie (1802-1844) war Politiker und Militär, die Mutter, Lady Emmeline (1806-1855), hatte als Dichterin und Reiseschriftstellerin bereits künstlerische Neigungen bewiesen.

 

In früher Jugend war er als „Page of Honour“ Diener der Königin Victoria. 1848, mit 16 Jahren, begann er seine Zeit beim Militär als Leutnant. Er diente von 1850-53 als Captain in den Kapgrenzkriegen gegen die Xhosa (früher als Kaffernkriege bekannt) und von 1854-55 in den Krimkriegen als Brevet-Major. Die Fotografie entdeckte er 1853 für sich, begann mit dem Ausstellen seiner Arbeiten jedoch erst 1862, nachdem er im Rang eines Lieutenant-Colonel (entspricht etwa dem Oberstleutnant) aus dem Militär ausgeschieden war. Zuvor hatte er sich noch von 1857-59 flüchtig mit einer politischen Karriere als Parlamentsabgeordneter versucht.

 

Seine Berufung sah er in der Fotografie ab etwa 1860, und besonders befaßte er sich mit Möglichkeiten, Bewegung auf Fotografien festzuhalten. Im Jahr 1862 wurde er dank bewunderter atmosphärischer Aufnahmen von Italien, unter anderem des Vesuv, mit einer Mitgliedschaft in der Photographic Society of London geehrt. Seine Wolkenstudien wurden als Schmuckstücke des Salons der Gesellschaft von 1863 bezeichnet, und vom selben Jahr an gehörte er zu ihrem Vorstand; mehrfach sollte er in den nächsten 20 Jahren als Vizepräsident fungieren.

 

Er stellte nun regelmäßig aus, wurde immer wieder ausgezeichnet, er lehrte und schrieb für fotografische Zeitschriften. Ein besonders beachteter Artikel befaßte sich mit dem Verhältnis von Fotografie und Kunst. 1864 eröffnete er ein Atelier in London und gründete die „United Association of Photographers“. Einer der Schwerpunkte seiner Arbeit lag auf effektiven Druckverfahren für Fotografien, worin er neue Wege beschritt. Kommerziell erfolgreich wurde eine Serie mondbeschienener Meeresansichten.

 

Zu den Leidenschaften Stuart-Wortleys gehörte auch das Reisen; er besuchte während seines Lebens die Türkei, Indien, Griechenland, Ceylon, Afrika, und 1880 unternahm er mit seiner zweiten Frau einer Weltreise, welche ihn über Australien und Neuseeland schließlich nach Tahiti führte. Er hatte speziell für die tropische Hitze geeignete Platten entworfen und einen mechanischen Verschluß für die aufgrund des hellen Lichtes kürzere Beleuchtungszeit ersonnen, und im Ergebnis erschien 1882 ein Buch mit Fotografien Tahitis. Nebenbei wurde er zu einem Fachmann des Lebens in tropischen Gewässern.

 

Er stellte bis Mitte der 1880er Jahre aus, danach zog er sich wegen seiner mangelhaften Gesundheit zurück; er starb 1890 in London.Ergänzend sei angemerkt, daß er bisweilen auch als Archibald Stuart-Wortley auftaucht. Unter dem selben Namen wird indes auch der Maler Archibald John Stuart-Wortley (1849-1905) gehandelt.

 

Verweise: 
http://www.getty.edu/art/collection/artists/1577/col-henry-stuart-wortley-british-1832-1890/

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Col. Henry Stuart-Wortley „The clouds are broken in the sky“ (Albuminpapierdruck, ca. 1863)
Col. Henry Stuart-Wortley „The clouds are broken in the sky“ (Albuminpapierdruck, ca. 1863)

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