Der Dom von Parma und seine Fresken

Parma – Ein italienischer Freund lud den in Mailand weilenden Kunstreporter der ART DEPESCHE in seine nicht weit entfernte Heimatstadt Parma ein, und selbstverständlich gab es auch dort, wie in jeder größeren italienischen Stadt, Einiges zu sehen. Neben der Nationalgalerie ist dies vor allem der größtenteils romanische Dom. Nicht so gewaltig wie die Kathedrale in Mailand, doch beeindruckend genug, und reich an meisterlichen Wandmalereien.

„Wahnsinn! Man geht einfach in eine Kirche, und dann findet man da ein riesiges Deckengemälde von einem der ganz großen Meister wie Correggio!“ ließ ich begeistert den Freund wissen, um dann selbst zu bemerken, daß dies ja nur auf den ersten Blick überraschend, aber dann ganz natürlich sei, weil diese Meister ja genau dort gelebt hatten.

 

Doch zuerst ein paar Sätze zum Bauwerk selbst. Es handelt sich hierbei um die Kathedrale (Bischofskirche) des Bistums Parma. Ab etwa 400 oder 500 bereits hatte sich dort eine frühchristliches Kultstätte und ab 860 die Marienkirche befunden, doch brannte letztere im Jahr 1058 ab und so wurde in Folge im zeittypischen romanischen Stil die dreischiffige Basilika errichtet und 1106 eingeweiht. Ein schweres Erdbeben 1117 zerstörte erneut große Teile des Bauwerks; der Wiederaufbau dauerte bis etwa 1178, hierfür wurde u.a. der Architekt und Bildhauer Benedetto Antelami verpflichtet. Der gotische Glockenturm wurde erst Ende des 13. Jahrhunderts hinzugefügt.

 

Das bedeutendste Gemälde innerhalb des Doms ist das bereits erwähnte Deckenfresko des Renaissancemeisters Antonio Allegro (1489-1534), nach seinem Heimatort Corregio genannt. Dieses befindet sich an der Decke des über der Vierung (dem Raum des Zusammentreffens von Haupt- und Querschiff) errichteten Turmes. Die Kuppel war ursprünglich flach, wurde jedoch auf Correggios Wunsch zu einer Rundkuppel umgebaut, unbestreitbarer Beleg des Ruhmes und Selbstbewußtseins des Künstlers.

 

Gezeigt wird in dem rund 11x12 Meter großen Fresko die Aufnahme Marias in den Himmel. Sie befindet sich inmitten eines dichten Figurenreigens, und aus dem Licht kommt ihr der Sohn entgegen. Genutzt wurde für den optischen Effekt das damals noch revolutionäre Mittel der perspektivischen Verkürzung, welches erst im Deckengemälde des Barock typisch wurde; die Ecken um das Rundbild zeigen vier riesige Heilige.

 

Die Seiten des Hauptschiffes sind mit Fresken von Lattenzio Gambara (1530-74) verziert. Sie zeigen die Lebensgeschichte Christi, ergänzt um Szenen aus dem Alten Testament. Die Halbkuppel der Apsis birgt ein ungewöhnlich farbstarkes Wandgemälde des vor allem in Parma tätigen Manieristen Gerolamo Mazzola Bedoli (ca. 1500-1569), dieses zeigt den Aufstieg Christi unter dem Jubel der Heiligen und Engel; der Manierismus ist an den eigenwilligen Körperhaltungen der Figuren gut erkennbar.

 

Sowohl das Hauptschiff als auch die Seiten- und Querschiffe zeigen zahlreiche weitere Gemälde, u.a. von Pomponio Allegri (dem Sohn Correggios), Bernardino Gatti und Bertolino de Grossi, welcher im frühen 15. Jahrhundert in Parma tätig war, noch dem gotischen Stil verpflichtet. Neben der Malerei finden sich auch mancherlei bildhauerische Arbeiten, etwa vier Reliefs von Baumeister Benedetto Antelami selbst, entstanden 1178, sowie zwei 1281 von Giambone da Bissone gehauene Marmorlöwen.

 

Der Eintritt ist, wie in Kirchen üblich, kostenlos. Direkt neben dem Dom befindlich und eng mit diesem verbunden ist übrigens das achteckige Baptisterium mit seiner Fassade aus rosa Marmor und gleichfalls einer bemerkenswerten Innenausmalung; dieses ungewöhnliche Bauwerk könnte Gegenstand eines gesonderten Artikels werden.

 

Verweise:

http://www.piazzaduomoparma.com/en/cattedrale/
https://www.wga.hu/frames-e.html?/html/c/correggi/frescoes/duomo0.html

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die Kuppel des Doms von Parma mit dem Deckenfresko von Antonio da Correggio (1526-30)
die Kuppel des Doms von Parma mit dem Deckenfresko von Antonio da Correggio (1526-30)

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