Der „blaue Reiter“ Heinrich Campendonk

München - Besonders bekannt ist Heinrich Campendonk für seine Glasmalerei, welche einen bedeutenden Teil seines Werks darstellt. In das Licht der Öffentlichkeit rückte er durch einen Kunstskandal, als das ihm zugeschriebene „Rote Bild mit Pferden“ sich als meisterliche Fälschung herausstellte. Dabei ist sein Werk insgesamt überaus beachtlich, von den noch impressionistisch beeinflußten Anfängen über seine Zeit beim „Blauen Reiter“ und den rheinischen Expressionisten bis zu den späten Fenstermalereien.

Geboren wurde Heinrich Mathias Ernst Campendonk 1889 in Krefeld als Sohn eines Textilkaufmanns. Er brach seine zunächst begonnene Lehre in diesem Metier ab, um sich 1905 an der Kunstgewerbeschule in Krefeld einzuschreiben, wo der dem Jugendstil zugerechnete niederländische Maler und Kunsthandwerker Jan Thorn-Prikker ihn unterrichtete und er sich u.a. mit Wilhelm Wieger und Helmuth Macke anfreundete. An der Kunstgewerbeschule blieb er bis 1909. Arbeiten aus jener Zeit weisen noch starke (neo-)impressionistische Einflüsse auf.

 

Zu seinem Freundeskreis gehörten auch August Macke, Franz Marc und Paul Klee; er stand in Kontakt mit der avantgardistischen Neuen Künstlervereinigung München, welcher u.a. Marianne von Werefkin, Paul Baum, Alexander Kanoldt, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky angehörten.

 

Durch Kandinsky und Marc konnte er an den 1911 und 1912 veranstalteten Jahresausstellungen des „Blauen Reiters“ teilnehmen, 1912 wurde er offizielles Mitglied der Gruppe. Er beteiligte sich 1913 sowohl am Ersten Deutschen Herbstsalon in Berlin als auch an der Ausstellung „Rheinische Expressionisten“ in Bonn. Die damaligen Arbeiten sind stilistisch mit ihren farbintensiven, gebrochenen Tier- und Landschaftsmotiven durchaus jenen Franz Marcs und August Mackes verwandt. Jener Phase zugerechnet wurde auch das „Rote Bild mit Pferden“, welches 2006 für 2,4 Millionen Euro versteigert worden war – es stellte sich jedoch als meisterliche Fälschung Wolfgang Beltracchis heraus. In jener Zeit experimentierten mehrere Künstler des Blauen Reiters mit der Malerei auf Glas; Campendonk blieb für den Rest seines Lebens bei diesem ungewöhnlichen Medium.

 

Von 1914 bis 1916 diente er als Soldat im Ersten Weltkrieg, anschließend zog er nach Seeshaupt in Oberbayern. 1923 ging er zurück ins Rheinland, bis 1926 lehrte er an der Kunstgewerbeschule in Essen. 1926 wurde er in Nachfolge seines früheren Lehrers Jan Thorn-Prikker als Professor an die Kunstakademie in Düsseldorf berufen. Damals bereits machte er durch großformatige Arbeiten auf sich aufmerksam; es entstanden Wandgemälde, Bühnenbilder und Glasmalereien.

 

1933 kostete ihn das von der nationalsozialistischen Regierung erlassene „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ die Professur in Düsseldorf. Er ging 1934 nach Belgien und 1935 nach Amsterdam, wo er den Lehrstuhl fürmonumentale und dekorative Malerei an der Rijksakademie erhielt. In Deutschland wurde er 1937, wie die meisten Expressionisten, im Rahmen des Vorgehens gegen „entartete Kunst“ verfemt. Im gleichen Jahr erhielt er für seine im niederländischen Pavillon präsentierte Glasmalerei „Passionsfenster“ den Grand Prix der Pariser Weltausstellung; dieses ist heute als Zweitausführung in der Stadtpfarrkirche Christkönig in Penzberg (Oberbayern) zu betrachten.

 

Nach dem Krieg bemühte sich Campendonk um Remigration nach Deutschland, dies scheiterte jedoch aufgrund formaler und gesundheitlicher Probleme. Er beschäftigte sich weiterhin vorrangig und erfolgreich mit der Glasmalerei, sogar mit Fenstern für den Kölner Dom wurde er beauftragt (dies kam jedoch, ebenfalls aufgrund gesundheitlicher Probleme, nicht zustande). Es gab Einzelausstellungen in den USA und Deutschland, auch die documenta 1 in Kassel im Jahr 1955 zeigte Werke Campendonks.

 

Von der niederländischen Regierung wurde er 1956 zum Ritter vom Orden De Neederlandse Leeuw ernannt; er starb 1957 in Amsterdam, wo sich auch seine letzte Ruhestätte befindet. Die bedeutendste Sammlung seiner Arbeitenbesitzt das Museum der Stadt Penzberg; diese ist seit 2016 dort dauerhaft zu besichtigen. Unsere Abbildung zeigt eines der weniger typischen, dafür selten zu sehenden Frühwerke aus seiner neoimpressionistischen Phase während des Studiums in Krefeld, welches sich im Besitz des Kunstmuseums Ahlen befindet.

 

Verweise:

http://www.heinrich-campendonk.de/heinrich_campendonk.html
http://www.museum-penzberg.de/sammlungen.html
http://www.rheinische-art.de/cms/topics/der-blaue-reiter-und-das-rote-bild-mit-pferden-der-rheinische-expressionist-heinrich-campendonk.php
http://www.kettererkunst.de/bio/HeinrichCampendonk-1889-1957.php
http://www.zeit.de/2014/04/helene-wolfgang-beltracchi-selbstportraet-auszug-rowohlt/seite-3
http://www.ardmediathek.de/tv/Rundschau/Ausstellung-zu-Heinrich-Campendonk-in-Pe/BR-Fernsehen/Video?bcastId=39014048&documentId=40783930

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Heinrich Campendonk „Stilleben mit Wasserkessel“ (Öl auf Pappe auf Holz, 1907)
Heinrich Campendonk „Stilleben mit Wasserkessel“ (Öl auf Pappe auf Holz, 1907)

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