Das Jüngste Gericht in Skulpturen: Anthony Caro in Berlin

Berlin - In ihre Wandelhalle, umgeben von Gemälden Alter Meister, hat die Gemäldegalerie eine Sonderausstellung gepflanzt, welche eine Installation in Gestalt eines 25-teiligen Skulpturenensembles des modernen britischen Bildhauers Anthony Caro umfaßt. Thema dieser „The Last Judgement Sculpture“ ist, wie der Titel vermuten läßt, das Jüngste Gericht. Bis zum 12. Juli 2020 soll das Werk zu besichtigen sein.

Anthony Caro (1924-2013) gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer der britischen Moderne. Seine Laufbahn begann er als Student an der Royal Academy of Arts und Mitarbeiter des Bildhauers Henry Moore; zunächst war er der Gegenständlichkeit verpflichtet.

 

Ein Aufenthalt in den USA 1959/60 brachte ihn mit dem Kunstkritiker Clement Greenberg und David Smith, einem seinerseits unter anderem von Picasso und Julio Gonzáles beeinflußten Maler und Bildhauer des abstrakten Expressionismus, in Kontakt, worauf er sich gleichfalls der Abstraktion öffnete, ohne dieser dogmatisch zu folgen. In Collagen aus verschiedenen Materialien wie Holz, Beton und Schrott fand er seine eigene Formsprache.

 

„The Last Judgement Sculpture“ hat nun eine besondere Vorgeschichte, denn der Künstler schuf die Figurengruppe in den Jahren 1995-99 als Reaktion auf die Balkankriege. Der Sammler Reinhold Würth besuchte Caros Atelier noch in der Modellphase des Projektes und bat ihn, dieses für seine Sammlung zu vollenden; er begleitete die Fertigstellung mit kontinuierlichem Interesse. Erstmals wurde das Werk auf der Biennale 1999 der Öffentlichkeit gezeigt.

 

Es handelt sich nicht um die erste, doch wohl um die bislang umfangreichste Leihgabe der Sammlung Würth, welche eine große Zahl von Arbeiten von der Renaissance bis zur klassischen Moderne umfaßt, an die Staatlichen Museen zu Berlin.

 

Nun steht dieses Werk also in der Wandelhalle, im Zentrum der Gemäldegalerie, und es ist auf jeden Fall monumental zu nennen. Erinnernd an ein Kirchenschiff, zusammengesetzt aus Stein, Beton, Holz und Metall, mit Bezügen auf Religion, Kunst-, Kultur- und Zeitgeschichte. Ein ausliegendes Begleitheft gibt detaillierte Informationen zu den Hintergründen auch einzelner der Skulpturen.

 

Warum aber in der Gemäldegalerie, und nicht vielleicht im der Moderne gewidmeten Hamburger Bahnhof? Das Museum verweist auf die thematische Nähe, denn auch in vor Ort zu sehenden Werken Alten Meister wie Petrus Christus oder Fra Angelico spielt das Jüngste Gericht häufig eine Rolle. Reicht dies aus? Über das Für und Wider ließe sich diskutieren, festzustellen bleibt zumindest, daß „The Last Judgement Sculpture“ als Gesamtkunstwerk eine hohe atmosphärische Dichte aufweist und der Besucher beim Betreten kaum gleichgültig bleiben wird.

 

Fazit: zumindest interessant. Die Gemäldegalerie befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Freitagvon 10-18 (Donnerstags bis 20) sowie am Wochenende von 11-18 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 10,- ermäßigt 5,- Euro

 

Verweise:

https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/anthony-caro.html
https://www.anthonycaro.org/
https://www.berlin.de/ausstellungen/5980266-2739799-anthony-caro-the-gemaeldegalerie-last-ju.html
https://www.berlin.de/ausstellungen/nachrichten/6015345-3041403-caro-skultpuren-in-berlin-last-des-jueng.html

Letzte Änderung am Mittwoch, 15 Januar 2020 13:03
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Anthony Caro „The Last Judgement Sculpture“ (Ausschnitt)
Anthony Caro „The Last Judgement Sculpture“ (Ausschnitt)

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