Charles-Antoine Cambon – Pionier der romantischen Szenographie in Frankreich

Paris - Ein Maler der französischen Spätromantik war Charles-Antoine Cambon. Der Schwerpunkt seiner Arbeit war die Bühnenbildnerei (Szenographie). Mit seinem Schaffen für zahlreiche Theater bzw. Opernhäuser in Frankreich und anderen Ländern Europas erwarb er seinerzeit großen Ruhm. Leider ist von seinen originalen Arbeiten kaum noch etwas erhalten.

Geboren wurde er 1802 in Paris. Über seine frühen Jahre ist nicht allzuviel bekannt, allerdings soll er in jungen Jahren Aquarelle und Sepiatintenzeichnungen angefertigt haben. Schließlich wurde er Schüler von Pierre-Luc-Charles Ciceri (1782-1868), einem der damals führenden Bühnenbildner Frankreichs.

In Ciceris Atelier schloß er Bekanntschaft mit Humanité-René Philastre, mit welchem er ab etwa 1824 für lange Zeit zusammenarbeiten sollte. In den Jahren bis 1848 führten die beiden zahlreiche Aufträge für Bühnenbilder und Inneneinrichtungen von Theatern gemeinschaftlich aus, darunter solche inAngoulême, Antwerpen, Beaune, Brest, Choiseul, Dijon, Douai, Ghent, Lille, Lyon, Paris und Rouen. 

Ganze Produktionen oder Teile solcher entwarfen sie für Paris, Antwerpen, Ghent und Barcelona und wurden so zu Mitbegründern der Bühnengestaltung von Grand Opéra und romantischer Bühnenbildnerei. Werke, für deren Bühnenbild sie sich verantwortlich oder mitverantwortlich zeigten, waren 1833 „Gustav oder der Maskenball“ von Daniel-François-Esprit Auber, 1838 „Benvenuto Cellini“ von Hectar Berlioz, 1840 „La favorite“ von Gaetano Donizetti und 1843 „Les Burgraves“ von Victor Hugo – jeweils Weltpremieren.

1848 wanderte Philastre nach Spanien aus, wodurch diese beeindruckend kontinuierliche Zusammenarbeit ein Ende fand. Ein hochbegabter Student namens Joseph Thierry wurde sein neuer Partner, mit ihm gestaltete er zahlreiche bedeutende Produktionen für verschiedene Theater und Musiktheater in Paris, darunter „Les Troyens“ von Hectar Berlioz (1863), Charles Gounods „Faust“ (1859) und „Die Königin von Saba“ (1862), Giuseppe Verdis „Jérusalem“ (1847) und „Don Carlos“ (1867) sowie die Pariser Fassung von Wagners „Tannhäuser“ (1861).

Thierry starb indes in noch jungen Jahren (1866?); Cambon arbeitete in Folge selbständig für Häuser in Paris und Kairo weiter. Von der Mitwirkung an der Uraufführung von Verdis „Aida“ (1871) trat er jedoch aus unbekannten Gründen zurück. In seinem Pariser Atelier unterrichtete er zahlreiche Studenten, und 1869 wurde er für sein Schaffen zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Zu seinen engen Freunden gehörte unter anderem Honoré de Balzac. Er starb 1875 und wurde in hohen Ehren bestattet.

Cambon galt mit seinen Bühnenbildern vor allem als exzellenter Zeichner, der in erster Linie in der Darstellung von Architektur brillierte; erbediente dabei die romantischen Vorstellungen des jeweils zu den Produktionen passenden lokalen und historischen Kolorits. Von den Bühnenbildern selbst ist naturgemäß nur noch wenig erhalten, die einzige noch authentische erhaltene Kulisse befindet sich im Théâtre du Château des Princes im belgischen Chimay, ansonsten haben im Bourla Theatre (Antwerpen) und im Grand Théâtre von Ghent (beides ebenfalls in Belgien) sowie im Théâtre de Montbéliard (Frankreich) größere Arbeiten von ihm überlebt.

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Charles-Antoine Cambon: Skizze für „Le Vaisseau fantôme“ (1842)
Charles-Antoine Cambon: Skizze für „Le Vaisseau fantôme“ (1842)

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