Carlo Bossoli – Historienmaler des Risorgimento

Frankfurt am Main - Aus dem italienischsprachigen Teil der Schweiz stammend, errang der Maler, Zeichner und Druckgrafiker Carlo Bossoli seine ersten größeren Erfolge bemerkenswerterweise in der Ukraine. Später ging er nach Italien und wurde dort mit seinen überaus präzisen Darstellungen zu einem Chronisten des Zeitgeschehens, der sich, von modernen Strömungen recht unbeeindruckt, an der klassischen Historien- und Vedutenmalerei orientierte.

Geboren wurde er 1815 in Lugano im Tessin. Der Vater, ein Steinmetz, erhielt 1820 Arbeit in der erst 1794 von Katharina der Großen gegründeten Stadt Odessa, und so zog er samt seiner Familie dorthin. Bis 1826 lernte der Junge bei Kapuzinermönchen, anschließend begann er in einem Geschäft für antiquarische Bücher und Drucke zu arbeiten, wo er anfing, sich intensiv mit der Zeichnerei zu befassen, indem er alte Drucke kopierte. 1828 stellte das Opernhaus von Odessa ihn als Gehilfen des Bühnenbildners Rinaldo Nannini ein.

 

Mit dem Verkauf eigener Bilder begann er 1833, und seine hochwertigen Veduten der Stadt, wie auch bei der russischen Ikonenmalerei üblich meist in Tempera auf Papier, fanden guten Anklang, so daß er seine Mutter nach dem Tod des Vaters 1836 bereits finanziell unterstützen konnte. Die Bewunderer Bossolis kamen zum Teil aus höchsten Adelskreisen. Prinz Michail Woronzow beauftragte ihn mit mehreren Stadtansichten, und es war keine geringere als die Fürstin Elisabeth Woronzowa, welche ihm 1839 eine einjährige Studienreise nach Italien ermöglichte, wo er sich vor allem in Rom und Neapel aufhielt.

 

Anschließend ging er zurück in das Gebiet der Woronzows, diesmal lag sein Lebensmittelpunkt in Alupka auf der Krim. An gutbezahlten Aufträgen bestand kein Mangel. Seine kranke Mutter drängte jedoch zu einer Übersiedlung nach Italien, und so ging die Familie 1844 nach Mailand, wo Bossoli ein eigenes Atelier eröffnete. 1848 erschien eine erfolgreiche Serie zu den „Fünf Tagen von Mailand“, welche den Beginn der italienischen Unabhängigkeitskriege markierten. Die Mutter starb 1849, doch er blieb bis 1853, als nach einem erfolglosen Aufstand gegen die österreichische Krone alle Tessiner aus der Lombardei ausgewiesen wurden; sein neuer Wohnsitz bis zu seinem Lebensende wurde Turin, die Hauptstadt des Herzogtums Savoyen.

 

Von Turin aus reiste er nach England, Frankreich, Spanien, Deutschland, Marokko, Polen und Skandinavien. Ein Album mit Bildern von der Krim entstand ebenfalls in jenen Jahren und wurde in England verlegt und aufgrund des Interesses am Krimkrieg ein großer Erfolg. 1859 entstand auf Wunsch dieses Verlegers ein weiteres Album, betitelt „War in Italy“, welches Lithografien mit Szenen des Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieges enthielt.

 

Von diesen zeigte sich Prinz Oddone, Sohn des Königs Viktor Emanuel II. von Sardinien-Piemont (und später dem vereinten Italien) und Herzog von Montferrat, beeindruckt. Er machte Bossoli zum Kriegsmaler, welcher mit seinem Skizzenblock die Piemonter Truppen begleitete. Es entstand daraus eine Sammlung mit 150 Temperabildern, worauf Prinz Oddone ihn zum „Maler unserer Geschichte“ ernannte. Allerdings wurde er krank und seine Produktivität ließ deutlich nach. 1883, im Alter von 68 Jahren, heiratete er noch einmal, eine erst 21jährige Dame – und starb im Folgejahr in Turin. Bestattet ist er allerdings in seinem Geburtsort Lugano.

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Carlo Bossoli „Die Schlacht von Solferini“ (1859)
Carlo Bossoli „Die Schlacht von Solferini“ (1859)

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