Carl Spitzweg Ausstellung in Schweinfurt - 250 Meisterwerke des Biedermeier-Künstlers

Schweinfurt - Bis 30. November 2014 ist im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt die mit 250 Werken weltweit größte Spitzwegsammlung des nach ihm benannten Museums des ehemaligen Schwerindustriellen Georg Schäfer ausgestellt. Die Ausstellung ist dem 2013 verstorbenen Kunsthistorikers und Spitzweg-Experten Prof. Dr. Jens Christian Jensen gewidmet. Carl Spitzweg (1808 – 1885) erreichte zu Lebzeiten nicht den Bekanntheitsgrad wie beispielsweise seine Zeitgenossen der Schlesier Eduard von Grützner oder der Tiermaler Friedrich Voltz, und blieb einer einträglichen Geschäftstüchtigkeit zum Trotz - er soll etwa 400 Gemälde zu Lebzeiten verkauft haben - ein vergleichbarer Außenseiter. Die Popularität des Autodidakten, der keine Akademie besuchte, setzte erst im Laufe des 20. Jahrhunderts ein.

Insgesamt schuf Spitzweg mehr als 1500 Bilder und eine Vielzahl an Zeichnungen. Schon früh, ab 1824, malte er in Öl. Stilistisch ist Spitzweg von wenigen impressionistischen Ausnahmen seines Spätwerks abgesehen, überwiegend dem Biedermeier und hauptsächlich der Spätromantik zuzuordnen. Ihn beschäftigte motivisch das kleinbürgerliche Milieu, das er in Form entweder von Sonderlingen oder romantischen Situationen szenisch-anekdotisch darstellt. Seine Motive bewegen sich zwischen ihrer Passion nachgehenden Menschen und einer Darstellung ihrer kleinen Schwächen, ohne jedoch die große Anklage zum Ausdruck zu bringen. Auch wenn die Zeit, in der er lebte ausreichend Anlaß geboten hätte, war er kein politisch-revolutionärer Maler. Das Thema seiner „klugen Malerei“ , wie er es selbst nannte, war die Gesellschaftssatire, wobei ihm die Darstellung von Derbheiten stets fremd war. Durch viele Reisen und eine Freundschaft mit dem Landschaftsmaler Eduard Schleich, rückten sprichwörtlich malerische Bergmassive, Wiesen, ausladende Felder, romantische Hochebenen und Waldidylle in den Mittelpunkt. In seinen ab 1859/60 zunehmenden Landschaftsbildern ließ Spitzweg die Menschen, denen er vormals eine so zentrale Rolle zuschrieb nur noch als kleine Randerscheinungen in den Hintergrund rücken.

 

Seiner Lichtdarstellung sowie seinem Natur- und Farbensinn kamen bei der Farbherstellung die chemischen Kenntnisse seiner Apothekerausbildung zugute. 1829 arbeitete er in der Löwenapotheke der Stadt Straubing, dessen malerisches Kleinstadtbild mit den engen Gassen und zierlichen Erkern, Türmchen, Brunnen und Steinfiguren sich immer wieder motivisch bei ihm wiederfindet. Es verstand kein Zweiter so wie er, der Farbe Dauerhaftigkeit zu verleihen. Das hell leuchtende Blau Spitzwegs findet sich vergleichbar bei keinem anderen Maler wieder. Dennoch leidet das Renommee dieses erstaunlichen Künstlers häufig unter dem Ruf als Hitlers Lieblingsmaler.

 

Wenngleich auch sein wohl bekanntestes Werk von 1839 „Der arme Poet“ -  kaum jemand weiß heute, daß Spitzweg auch dichtete – nicht in der Schweinfurter Ausstellung zu sehen ist, wird unter anderem mit kaum weniger namhaften Bildern wie „Der strickende Wachtposten“, „Der Bücherwurm“, „Der abgefangene Liebesbrief“, „Der ewige Hochzeiter“ und „Der Kaktusfreund“ aufgewartet. Jedes Werk bereits ein Besuchsgrund für sich.

 

Nach dem postmortem erst zu seinem großen Ruhm gelangten Künstler ist bis zum heutigen Tage in seiner Geburtsstadt Unterpfaffenhofen ein Gymnasium benannt, sowie seit 1938 Wien über eine Spitzweggasse verfügt und die Bundesrepublik anläßlich seines 200. Geburtstags im Jahre 2008 eine Sonderbriefmarke und Silbergedenkmünze herausbrachte. Derart geadelt dürfte der Olymp unvergesslichen Kunstschaffens errungen worden sein.

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"Jugendfreunde" von Carl Spitzweg
"Jugendfreunde" von Carl Spitzweg Quelle: ARTemis Invest GmbH

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