Carl Fredrik Hill – ein Schwede zwischen Barbizon und angehender Moderne

Frankfurt am Main - Der schwedische Maler Carl Fredrik Hill zog seine Inspirationen aus der Freilichtmalerei der Schule von Barbizon, und auch von Camille Corot ließ er sich beeinflussen, dementsprechend malte er mit Vorliebe Landschaften, welche sich dem Impressionismus bzw. Protoimpressionismus zurechnen lassen. Kunstgeschichtliche Bedeutung gewann er vor allem durch seine späten Zeichnungen, mit welchen er unbewußt zum Avantgardisten wurde.

Geboren wurde er 1849 im südschwedischen Lund als Sohn eines Mathematikprofessors; die Künstlerlaufbahn schlug er gegen den Willen des Vaters ein. Er studierte zunächst an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Stockholm und ging anschließend nach Frankreich, wo er mehrere Jahre lebte und lernte.

1874 besuchte er die Schule der Freilichtmaler von Barbizon südlich von Paris, und diese wurde, neben den Landschaften Corots, zu seiner wichtigsten Inspirationsquelle. Allerdings bereiste er verschiedene Gegenden Frankreichs, darunter die Champagne und die Normandie. In den Werken jener Zeit bemühte er sich nach eigenem Bekunden um „die Wahrheit“, was jedoch keinen blanken Naturalismus bedeuten sollte, sondern eine „Wahrheit des Herzens“. Erfolgreich wurde er damit nicht, der Pariser Salon lehnte seine Arbeiten ab.

1878 kamen mit dem Tod des Vaters und einer Schwester gleich zwei schwere Schickalsschläge, welche für Hill eine schwere Psychose zur Folge hatten. Er kam zurück nach Schweden, wo er eine Weile in Kliniken verbrachte, bis er zurück nach Hause ging, wo seine Mutter und eine Schwester ihn bis zu seinem Tod pflegen sollten.

Allerdings war Hill in den Jahren in der Pflege daheim noch einmal eine große Schöpferkraft verliehen und es entstand, zum Teil beeinflußt durch die zunehmenden Halluzinationen und paranoiden Vorstellungen, ein umfassendes zeichnerisches Werk, dessen Bedeutung erst viel später erkannt wurde; der schwedische Kunsthistoriker Ragnar Josephson sprach von „der zweiten großen Periode in seinem Leben als Maler“.

Hill fertigte tausende Zeichnungen in ganz verschiedenen Techniken; er nutzte Bleistift, Kreide, Tinte und Wasserfarben. Die Motive für diese Zeichnungen kamen aus seinen Erinnerungen, aus der eigenen Vorstellungskraft und älteren Bildern und Illustrationen. Viele der Arbeiten sind verlorengegangen, doch etwa 3500 blieben der Nachwelt erhalten, wobei sich über 2600 dank einer Spende seiner Erben heutzutage in der Sammlung des Malmöer Kunstmuseums befinden.

Lund starb 1911 weitgehend unbekannt. Das Sterberegister weist ihn als „ehemaligen Landschaftsmaler“ aus. Erst lange nach seinem Tod entdeckte die Nachwelt seiner Zeichnungen, mit denen er in seiner Abgeschiedenheit und geistigen Verwirrung spätere Entwicklungen bereits vorwegnahm. Doch auch seinem damals unbeachteten Frühwerk wird mittlerweile Gerechtigkeit zuteil und sein Schöpfer zu den größten schwedischen Landschaftsmalern gezählt.

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Carl Fredrik Hill „Herbst“ (ca. 1876/77)
Carl Fredrik Hill „Herbst“ (ca. 1876/77)

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