Begegnung mit den Alten Meistern: die Galleria nazionale di Parma

Parma – Unter der gewaltigen Zahl an Museen mit dem Schwerpunkt auf Alten Meistern ist die Galleria nazionale, die Nationalgalerie in Parma, nicht unbedingt an erster Stelle zu nennen, und doch lohnt sich ein Besuch aus verschiedenen Gründen.

Zu nennen wäre zuerst der überwältigende Gebäudekomplex selbst, in welchem das Museum sich befindet. Der Palazzo della Pilotta im Stil der Spätrenaissance wurde gegen 1583 unter dem Herzog Ottavio Farnese im historischen Zentrum Parmas, nahe dem Ufer des gleichnamigen Flusses, errichtet. Alliierte Bombenangriffe führten 1944 zu schweren Verwüstungen, die Schäden sind bis heute zu sehen, bzw. nicht zu sehen, da Teile der Anlage fehlen.

 

Mehrere Einrichtungen sind in den Gebäuden untergebracht, darunter das Teatro Farnese (dazu später mehr), das Archäologische Nationalmuseum Parma, die Kunsthochschule Toschi, das Bodonianische Museum und die Palastbibliothek. Und natürlich die Nationalgalerie.

 

Der Grundstein dieser Sammlung wurde bereits zu Renaissancezeiten durch die Familie Farnese gelegt, welche mehrfach den Herzog von Parma stellte. Seither ging sie durch eine lebhafte Geschichte, wurde immer wieder erweitert, doch auch beraubt. Napoleon ließ die Werke nach Paris bringen, doch holte seine zeitweilige Gattin Marie-Louise von Österreich, welche nach dem Wiener Kongreß Herzogin von Parma wurde, die Werke zurück und ließ sie in den Palazzo della Pilotta bringen. Eine eigens dafür errichtete Halle sollte fortan ihren Namen tragen. Auch erwarb Marie-Louise weitere Sammlungen im Herzogtum, um eine zentrale Präsentation zu ermöglichen.

 

Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf den Alten Meistern von Gotik bis Rokoko, jüngere Werke sind in geringem Maße jedoch ebenfalls vertreten. Generell zieht sich dabei die bevorzugte Aufnahme von Künstlern aus Parma und Umgebung als Leitmotiv durch die Epochen.

 

Von den Renaissancekünstlern seien Fra Angelico, Correggio und Leonardo da Vinci genannt, mit El Greco, Bronzino, Tintoretto und Parmigianino sind erstrangige Manieristen dabei, der italienische Barock ist mit Meistern wie Canaletto, Francesco Guardi und Giambattista Tiepolo gut abgedeckt. Auch einige Heroen des Nordens sind dabei, darunter der Holländer Anthonis van Dyck und Hans Holbein der Jüngere mit seinem Porträt des Humanisten Erasmus von Rotterdam.

 

Das berühmteste Gemälde in der Nationalgalerie dürfte allerdings Leonardos „Kopf eines Mädchens“ (bekannt als „La Scapigliata“) sein. Das kleinformatige monochrome Ölbild (24,7 x 21 cm) im Stil der Hochrenaissance wird um 1508 datiert, es befindet sich gut herausgehoben in der Abteilung für Gotik und Renaissance.

 

Unbedingt besichtigen sollte der Besucher bei der Gelegenheit auch das Teatro Farnese. Dieses ist zwar lediglich eine Mitte des 20. Jahrhunderts errichtete Rekonstruktion des barocken Hoftheaters von 1617/18, welches den alliierten Bombern zum Opfer gefallen war, dennoch sehr beeindruckend. Ein Rundtheater für etwa 3000 Personen nach Art des Kolosseums, doch ganz aus Holz. Ein einzigartiger Anblick.

 

Verweise:

http://pilotta.beniculturali.it/en/welcome/
http://www.artcityemiliaromagna.com/places/parma/national-gallery
https://www.inexhibit.com/mymuseum/palazzo-della-pilotta-galleria-nazionale-di-parma-italy/

Letzte Änderung am Mittwoch, 29 Mai 2019 17:04
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Leonardo da Vinci „Die Scapigliata“ (Öl auf Holz, ca. 1508)
Leonardo da Vinci „Die Scapigliata“ (Öl auf Holz, ca. 1508)

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