Aus der Sicht einer Katze – Magdalena Nałęcz im Interview, Teil 2

Frankfurt am Main - Wie angekündigt erscheint hier nun die Fortsetzung unseres Interviews mit der polnischen Malerin Magdalena Nałęcz, welche bereits ein äußerst vielseitiges und recht mystisches Werk geschaffen hat, das wir unseren Lesern dringend ans Herz legen möchten.

Zum ersten Teil geht es hier: 
http://www.artemis-invest.de/aktuelles/aus-den-gärten-des-lebens-magdalena-nałęcz-im-interview,-teil-1.html

 

ART DEPESCHE: Manche Ihrer Bilder haben recht traumartige Atmosphären, welche an Giorgio de Chirico oder den Symbolismus erinnern. Sind Träume für Sie eine Inspiration?

 

Nałęcz: De Chirico gewann seine Inspiration aus der Mythologie, philosophischen Arbeiten und seinen eigenen Erfahrungen. Seine Bilder präsentieren die wichtigsten Perioden – sie sind kreativ und haben die verstörende Atmosphäre von Melancholie, Einsamkeit und Mysterium. Die Stimmung, in welcher er schöpferisch war, ist mir sehr vertraut. 
Mich inspirieren Reisen, Natur, meine Umgebung und was durch meine Gedanken geht. Das ist, woraus ich die Inspirationen ziehe, was mich dazu provoziert, meine Gemälde zu schaffen. 
In meinen Bildern gebe ich nicht treu die Realität wieder. Ich verarbeite die Realität in meiner Vorstellung um auf der Leinwand eine Geschichte zu präsentieren, die beeindruckt und Gefühle in mir und dem Betrachter hervorruft. 
Prinzipiell können einige meiner Bilder als „von traumhafter Atmosphäre“ beschrieben werden, doch ist die Wirklichkeit, die ich abbilde, nicht vom Traum ins Leben gerufen worden, sondern von Beobachtung und Vorstellungskraft. Wie ich zu Beginn der Konversation erwähnte, erziele ich mit meinen Bildern Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit. Die darin abgebildete Anekdote und der literarische Symbolismus erlauben dem Betrachter, sie frei zu interpretieren.

 

ART DEPESCHE: Eine Ihrer Bildreihen nannte sich „Aus der Sicht einer Katze“. Was bedeutet dieser Perspektivwechsel? Beinhaltet es auch eine mentale Veränderung? Wie ist Ihre Verbindung zu diesen mystischen Tieren?

 

Nałęcz: In diesen Bildern platziere ich den Rezipienten in einer festen Situation, in einer bestimmten Sichtweise: „Sieh an, was ich sehe“, obwohl ich selbst von innen schaue. Ich zeige die städtische Landschaft aus der Perspektive einer Katze. Auf dem Fensterbrett sind zwei Katzen, in der Pose der Heiligkeit. Sie sind ihrer Natur nach verschieden von allem, verschieden von uns, unverschämt frei und faul. Sie schauen auf die Welt aus sicherer Höhe. Vom Dachboden, gleich den Katzen, beobachte ich die geometrische Anlage der Dächer. Jedes Motiv hat seine solide Geometrie und fast immer klares Licht. Die Rhythmen der Fenster, Löcher in den Mauern, Kupferdächer, süße, transparente Fensterglasscheiben, Mauern, Türme, Kirchen, Glockentürme und Himmel. 
Der Zyklus „Aus der Sicht einer Katze“ ist die Geschichte von dem, was ich jeden Tag durch die Fenster des Dachbodens beobachtet habe, in welchem ich viele Jahre (im alten Teil Krakaus) mit meinen beiden Katzen gelebt habe. Dachkatzen sind meine liebsten Haustiere, ich kann mir meine Wohnung nicht ohne sie vorstellen. Sie sind unabhängig und frei. Ihre Anwesenheit beruhigt mich. Und ihre Sichtweise inspiriert mich. 
http://www.malarstwo-nalecz.com/en/galerie-3/cykle-malarskie/from-the-cat-s-point-of-view.html 
und 
http://www.malarstwo-nalecz.com/en/galerie-3/cykle-malarskie/the-roofs-of-cracow.html

 

ART DEPESCHE: Auch das Reisen scheint eine Ihrer Leidenschaften zu sein...

 

Nałęcz: Ja, ich reise gerne. Die meisten meiner Inspirationen kommen von Reisen. Während des Reisens ersetzt die Kamera mein traditionelles Skizzenbuch. Dann schaffe ich, ausgehend von diesen fotografischen Skizzen, Gemälde in der Ruhe meines Ateliers. Überall schaue ich nach etwas Besonderem, den Motiven ringsum, welche neue Bilderzyklen ins Leben rufen werden. 
Meine Reisen teilen sich in zwei Typen: Pleinairreisen und künstlerische Reisen. In Litauen faszinierten mich der Himmel und die im Fluß und im See gespiegelten Wolken. Die Wolken schwebten so tief, daß sie ihren Horizont verloren und es nicht zu sehen war, ob sie immer noch im Himmel oder auf dem Boden waren. So kam der Zyklus „Eine Geschichte des Blauen“ ins Leben (http://www.malarstwo-nalecz.com/en/galerie-3/cykle-malarskie/a-story-of-the-blue.html). 
Auf Kreta faszinierte mich nicht nur die Landschaft sondern auch die Mythologie dieses Ortes. Der Palast des Minotaurus in Knossos, Säulen in der Piccola-Farbe wurden die Inspiration für den Bilderzyklus „Das Gedächtnis Kretas“(http://www.malarstwo-nalecz.com/en/galerie-3/cykle-malarskie/cretan-landscape.html). 
Ich lasse mich durch die spanische Landschaft inspirieren, denn diese Landschaft ist von der Sonne verbrannt und mit Feuer vom Himmel bedeckt. Ich lasse mich durch spanische Steinstädte inspirieren und, zuallererst, durch das außergewöhnliche Toledo. All dies waren die Gründe, den Zyklus „Spanische Landschaft“ zu schaffen. 
Ich erzählte Ihnen von der Pleinairmalerei, aber ich würde gerne das Thema der künstlerischen Reisen weiter ausführen. Dies sind Reisen mit einer Gruppe von Freunden und Bekannten, von denen jeder eine Beziehung zur Kunst hat. An diesen Kunstexpeditionen nehmen Kunsthistoriker, Künstler, Kuratoren und alle Arten von Kunstliebhabern teil. Wir fahren per Bus zu ausgewählten Orten in Europa (Paris, London, Wien, usw.). In diesen Orten finden die meisten zeitgenössischen Ausstellungen statt. Während der Reisen schauen wir Filme über Kunst und hören vorbereitete Vorträge. Sie können unter http://www.artdone.wordpress.com/ über diese Reisen lesen.

 

ART DEPESCHE: Eines der Projekte, in denen Sie sich engagieren, ist die „Art Transfer Foundation“. Was können Sie uns darüber berichten?

 

Nałęcz: Ich arbeite mit verschiedenen Stiftungen zusammen. Eine themenbezogene ist die Art Transfer Foundation, welche Kunst unter Kindern, Jugendlichen und alten Menschen popularisieren will. Sie organisiert Vorlesungen und Kunstwerkstätten. 
Ich arbeite auch mit der Stiftung für das Myelom-Behandlungszentrum zusammen, indem ich ein Bild für die jährliche Kunstauktion bereitstelle. Die Einnahme der Auktion dient zur finanziellen Unterstützung der Behandlung dieser schrecklichen Krankheit. In der gleichen Weise unterstütze ich die Kinderstiftung „On Time with Help“. 
In letzter Zeit bin ich intensiv involviert und verantwortlich für die Bewerbung der den Studenten der Kunstakademien gewidmeten Wettbewerbe, welche alljährlich von der Stiftung „Artistic Hestia Travel“ organisiert werden. Über mehrere Jahre habe ich die Polnischen Kulturzentren in den Vereinigten Staaten unterstützt. Der Urheber dieser großartigen Initiative war der weltberühmte polnische Opernsänger Wiesław Ochman. Ich glaube, daß diese Aktivität sehr wichtig und notwendig ist. Anderen zu helfen bereichert uns.

 

ART DEPESCHE: Welche polnischen Gegenwartskünstler sind Ihre Favoriten, von denen Sie denken, wir sollten sie kennen?

 

Nałęcz: Allgemein habe ich nicht einen Favoriten unter den polnischen Künstlern. Ich schätze die Kreativität vieler Künstler. Ich beobachte die künstlerischen Aktionen von Wilhelm Sasnal, meinem Freund aus der Zeit an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau, sehr genau. Heute ist er ein weltweit bekannter Künstler. Ich mag die Arbeit von Kiejstut Bereźnicki wirklich. In seinen Bildern verbindet er die Suggestion menschlicher Anwesenheit oder Abwesenheit in einer symbolischen Weise mit dem Objekt. Seine Werke sind poetisch und beziehen sich oft auf die alten Meister. Ich mag auch eine Reihe junger Künstler aus den 90ern. Sie sind mutig, suchend, innovativ.

 

ART DEPESCHE: Sie haben bereits mehrere Kataloge zu ihren Ausstellungen veröffentlicht. Wird es auch ein Buch mit einer etwas erweiterten Auswahl Ihrer Werke geben?

 

Nałęcz: Ich organisiere jede neue Ausstellung von mir so, daß sie von einem Katalog begleitet wird. Ich gestalte, veröffentliche und kümmere mich persönlich um den Druck. Ich denke, daß nach einem so wichtigen Ereignis, wie eine Einzelausstellung es für jeden Künstler ist, eine Spur in Form eines Katalogs bleiben sollte. http://www.malarstwo-nalecz.com/en/catalogs.html
Meiner Ansicht nach bin ich noch eine junge Künstlerin. Ausstellungen, die eine Retrospektive meiner Arbeiten zeigen, liegen noch vor mir. Aber wenn sie kommen, werden sie von einem Buch begleitet werden, welches eine größere Auswahl meiner Arbeiten enthalten wird.

 

ART DEPESCHE: Hatten Sie bereits Ausstellungen in Deutschland oder können wir in Zukunft damit rechnen?

 

Nałęcz: Ich habe an mehreren Gruppenausstellungen, die in Deutschland gezeigt wurden, teilgenommen. 1997 an der Ausstellung „Drei Maler aus Krakau“ in Saarlouis mit Anna und Sławomir Karpowicz und an der Ausstellung „Ein Meister und sein Lehrling“ im Krakauer Haus in Nürnberg. Im Jahr 2000 gab es die Ausstellung „Krakau aus weiblicher Sicht“, organisiert von der Galerie Ars Cracovia in Köln, die Ausstellung „Farbe erleben“, organisiert von der Galerie Irene Sagan in Essen, und „Colours – the Pulse of Painting“, organisiert von der Format Galerie in Nürnberg und Frankfurt. 
In Deutschland hatte ich bislang nur eine Einzelausstellung, das war 1998 „Meeting at the Border“ in Bliesbruck-Reinheim. Ich suche immer noch nach Kontakten zu deutschen Galerien, ich würde gerne mit einer von ihnen dauerhaft zusammenarbeiten. Vielleicht wird dieses Interview mir ja dabei helfen. ;-)

 

ART DEPESCHE: Zu guter Letzt: welche Pläne haben Sie für die nähere Zukunft? Etwas, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten sollten?

 

Nałęcz: Es ist gerade der Anfang des Jahres 2017 und ich habe seit Januar bereits drei Einzelausstellungen gehabt. Nun werde ich mich in der Abgeschiedenheit meines Ateliers verstecken und etwas Neues beginnen. Ich werde an kleineren Papiermalereien arbeiten, welche Teil einer Ausstellung in New York City sein werden. Ich werde auch mit der Arbeit an einem Projekt beginnen, welches einen Multimedia-Teil und einen gemalten Teil beinhalten wird. Es wird eine Geschichte mit dem Titel „Auf dem Weg zur Arbeit“ sein und die Erfahrung behandeln, denselben Ort jeden Tag zu sehen, aus dem Fenster eines Zuges durch die vier wechselnden Jahreszeiten.

 

ART DEPESCHE: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

 

Nałęcz: Ich danke Ihnen ebenfalls. Ich bin erfreut, daß Sie unter so vielen Künstlern in der Welt mir und meinen Kunstwerken Aufmerksamkeit widmen. 
Ich lade alle ein, meine Webseite zu besuchen: 
www.malarstwo-nalecz.com
sowie mein Profil in den sozialen Netzwerken. 
Bei facebook: https://www.facebook.com/magdalena.nalecz.artist.painter/
Mein Konto bei Instagram ist @magdalenanalecz: https://www.instagram.com/magdalenanalecz/
Und mein Konto bei Pinterest: https://pl.pinterest.com/magdalenanalecz/my-art/
Auch telefonisch bin ich erreichbar: +48 606 721 128.

 


 

zur Person: 
Magdalena Nałęcz wurde 1970 im südpolnischen Rzeszów geboren. Sie machte 1990 zunächst ihren Abschluß an der dortigen staatlichen Hochschule der Künste. Anschließend studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau, wo sie 1995 bei Professor Jan Szancenbach in Malerei sowie bei Professor Sławomir Karpowicz im Zeichnen abschloß. Seither ist sie Mitglied in der Union der polnischen Künstler und Designer.

 

Verweise: 
http://www.malarstwo-nalecz.com/en/
https://www.instagram.com/magdalenanalecz/
https://www.facebook.com/magdalena.nalecz.artist.painter/?fref=ts
https://www.youtube.com/channel/UCXjjry0DSmY5S5VP9jeaKyA

Letzte Änderung am Sonntag, 23 April 2017 01:27
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Magdalena Nałęcz „Ein heißer Tag“ (Öl auf Leinwand, 2010)
Magdalena Nałęcz „Ein heißer Tag“ (Öl auf Leinwand, 2010)

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