Aus den Gärten des Lebens: Magdalena Nałęcz im Interview, Teil 1

Frankfurt am Main - Eine äußerst vielseitige Malerin aus unserem östlichen Nachbarland ist Magdalena Nałęcz. Bei aller Verschiedenheit ihrer Arbeiten schwingt stets darin eine mystische Stimmung mit. Wir fanden, daß ihr Werk unbedingt mehr Beachtung in Deutschland verdient und haben ihr einige Fragen gestellt, die sie ausführlich beantwortet hat, so daß wir uns entschieden haben, das sehr lesenswerte Interview in mehreren Teilen zu veröffentlichen. Hier nun der Anfang...

ART DEPESCHE: Ihre Arbeiten sind ganz verschiedenartig, was Sie auch selbst hervorheben. Es fällt fast schwer, sich vorzustellen, sie kommen alle vom selben Schöpfer. Was denken Sie: gibt es etwas, was all Ihre Bilder verbindet?

 

Nałęcz: Ich werde ständig durch etwas Neues inspiriert, deshalb nutze ich verschiedene Formen des Ausdrucks, um meine Faszination vom Thema in einer exakten Weise auszudrücken. Aus diesem Grund sind meine Bilder so verschieden, und jeder Betrachter kann unter ihnen allen etwas ihm Nahes finden. Ich nutze verschiedene Metiers: Stilleben, Landschaften, Intérieurs,… Doch, ganz gleich, welches Gebiet ich wähle, möchte ich, daß meine Bilder metaphysische, symbolische und etwas surreale Bedeutung haben. 
Um Ihre Frage zu beantworten: ja, meine Arbeiten sind verschieden, denn sie beziehen sich auf verschiedene Themen. Sie sind verschieden, denn ich bediene mich verschiedener Mittel des Ausdrucks, um Themen zu bearbeiten. Meine Inspiration und meine Idee des Bildes ergeben zusammen eine perfekte Form eines Gemäldes. 
Manchmal gebe ich gleichmäßige Kleckse auf die Leinwand, manchmal eine Textur, manchmal bespritze ich die Leinwand unkontrolliert mit Farbe. Manchmal sind meine Leinwände voll vibrierender Farben, manchmal sind sie monochromatisch. Manchmal möchte ich bunte Flecken erzielen und manchmal Linien. Allerdings sind all meine Arbeiten durch das Klima und eine gewisse Rätselhaftigkeit verbunden. 
In Zeiten großer Verkürzungen ist die Mehrdeutigkeit meiner Bilder für mich sehr wichtig. Anekdote und literarischer Symbolismus geben meinen Bildern wieder Bedeutung. Meine Bilder werden vielschichtig und können auf verschiedene Weise interpretiert werden. Das macht meine Kunst universell. 
Ich lade Sie ein, meine Gemäldezyklen auf meiner Webseite zu betrachten: http://www.malarstwo-nalecz.com/en/galerie-3.html

 

ART DEPESCHE: Sie haben Ihren Abschluß im Fach Malerei in Krakau unter der Betreuung von Professor Jan Szancenbach gemacht. In Polen ziemlich bedeutsam, ist dieser Maler in Deutschland nahezu unbekannt. Wie Würden Sie ihn als Maler und Lehrer in wenigen Worten den deutschen Lesern vorstellen?

 

Nałęcz: Es ist schwer, über Meister zu sprechen. Es ist ebenfalls schwer, nicht über sie zu sprechen. Ohne Zweifel waren Professor Jan Szancenbach und Professor Sławomir Karpowicz während meines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste meine Meister und sind es bis heute geblieben. Ich möchte, daß meine gegenwärtigen Bilder originelle, bedeutungsvolle und zeitgemäße Kunst sind, und gleichzeitig möchte ich, daß sie sich auf die alten Meister beziehen, die mich kontinuierlich inspiriert haben. 
Sie baten mich, die Person Professor Szancenbach vorzustellen, also… 
„Wer malt heutzutage in dieser Weise?“ 
Sie haben dies mit bösartiger Absicht gefragt, während sie die Bilder Jan Szancenbachs sahen. „Der, welcher malen kann“ antwortete der Künstler selbst sarkastisch. 
Seine Malerei ist voll lichter und vibrierender Farben, voller Freude, subtil, sogar ätherisch. Zu den herausragenden Qualitäten seiner Farben scheute er auch nicht den Dekorativismus. All dies enthält die hedonistischen und sorglosen Ausdrucksformen. Jan Szancenbach ist vor allem als Schöpfer von Stilleben, Landschaften und Gartenszenen bekannt. Es ist dank seiner Helden – alltäglicher Objekte, Blumen, Früchten direkt aus dem Garten und Landschaften – daß ich meinen Weg nonverbaler Kommunikation verstanden habe. Er lehrte mich Sensibilität bezüglich der Farbe und die Fertigkeiten, dies beim Aufbau der Dimensionen der Leinwand zu nutzen. 
Was sonst wäre zu sagen? 
Jan Szancenbach war ein Repräsentant des polnischen Kolorismus, er war Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau und für viele Jahre deren Direktor. Er war von den Arbeiten der französischen Impressionisten und Postimpressionisten fasziniert. Der Maler Pierre Bonnard war ihm besonders nahe. 
Mein Lieblingsbild des Professors ist „Letzte Blumen meiner Frau“. Es ist ein schönes, stilles, trauriges und sehnsüchtiges Bild, gewidmet seiner letzten Frau Krystyna, welche auch Kunstmalerin war.

 

ART DEPESCHE: Professor Sławomir Karpowicz war derjenige, welcher Ihnen bei Ihren zeichnerischen Fertigkeiten besonders geholfen hat. Bitte erzählen Sie auch von ihm!

 

Nałęcz: Professor Karpowicz ist mein zweiter Meister. Professor Szancenbach hat mich gelehrt, wie eine Leinwand durch das Farbprisma gebaut wird, und Professor Karpowicz lehrte mich, das Mysterium auf die Leinwand zu bannen. Er lehrte mich, Kunst zu schaffen, welche mehrdeutig und metaphysisch ist. 
Ich muß erwähnen, daß er ein großartiger Maler war. Seine Bilder haben mich immer fasziniert. Er malte Landschaften, Stadtansichten, Stilleben, und all seine Schöpfungen besaßen bedeutsame, ausdrucksstarke, dunkle Farben. Doch während meines Studiums lehrte er mich zu zeichnen. Während der Kurse zeichneten wir nicht nur Aktstudien und Studien für Stilleben, er ermutigte uns auch zu persönlicheren Erkundungen. 
Er ermutigte uns, in den Skizzenbüchern zu zeichnen und andere Zeichentechniken zu nutzen. Dank ihm entdeckte ich meine liebste Art des Zeichnens, welche an die Malerei grenzt – die Monotypie. Bis heute habe ich Arbeiten in dieser Technik gefertigt. Ich lade Sie zu meiner Galerie auf meiner Webseite ein: http://www.malarstwo-nalecz.com/en/galerie-3/pozostale/drawings.html
Falls irgendwer gerne mehr über das Leben und Werk von Professor Karpowicz erfahren möchte, empfehle ich, einen Blog zu lesen, welcher von seiner Tochter geleitet wird: http://slawek-karpowicz.blogspot.com/.

 

ART DEPESCHE: In Ihren Arbeiten tauchen oft Gärten auf. Haben Sie selbst einen Garten? Wie ist die Beziehung zwischen Gärtnerei und Malerei?

 

Nałęcz: Fünf Jahre lang arbeitete ich an der Serie „Gärten der Erinnerungen“. Sie umfaßt vier Teile. „Gärten des Abschieds“ - dies sind die Gemälde, welche dem Gedenken an Professor Sławomir Karpowicz, meinen großen Freund, dessen Arbeiten mir besonders viel bedeuten, gewidmet sind. 
„Gärten der Vorstellung“ - diese sind die meiner Faszination von der Kunst der Maler, welche mir besonders am Herzen liegen, wie Leonor Fini, Poul Delvoux oder Bruno Schulz, gewidmeten Gemälde.
„Gärten der Liebe“ - dies sind die Gemälde, welche Gefühle abbilden. Sie reden von Liebe, welche verschiedene Farben haben kann, welche gleichzeitig schön und erhaben wie traurig und Quell von Leiden sein kann. Die Bilder erzählen die Geschichte vom Suchen und Finden, Abschied und Wiederkehr, Fröhlichkeit und Traurigkeit, der bunten und der schwarzen Seite der Gefühle. http://www.malarstwo-nalecz.com/images/3_OGRODY_MILOSCI_2014.pdf
Und schließlich der letzte Teil, der persönlichste, sind die „Gärten der Kindheit“, wo ich die Erinnerungen von Kindheit und Jugend wieder ins Gedächtnis hole. Jedes Jahr, in jeder ersten Septemberwoche, wurde ein Foto von mir gemacht. Die Inspiration für diese Gemälde waren die alten Schwarz-Weiß-Fotografien und die Farben, an welche ich mich erinnerte. Die Farben der Kleider, die ich trug, Farben von Bändern, welche auf meinem Kopf angebunden waren. Die Farben, an die ich mich erinnerte, wurden die Basis zum Aufbau eines Farbenspiels für diese Zyklen: http://www.malarstwo-nalecz.com/images/1_OGRODY_DZIECINSTWA_2016.pdf
Um es zusammenzufassen: die „Gärten“ sind ein Gedicht über mich, über meine Nächsten und Liebsten, über jene, die leben und jene, die gegangen sind. Es handelt auch von vielen Phasen meiner Suche, welche die Suche eines jeden von uns geworden ist, wenn auch durch verschiedene Orte und verschiedene Personen bestimmt. Jeder von uns hat seinen/ihren „Kindheitsgarten“, „Garten der Liebe“, „Abschiedsgarten“… und ich hoffe, daß der Betrachter durch den Besuch meiner Gärten seine eigenen Wege findet.

 

Der zweite Teil dieses Interviews folgt in Bälde.


 

zur Person: Magdalena Nałęcz wurde 1970 im südpolnischen Rzeszów geboren. Sie machte 1990 zunächst ihren Abschluß an der dortigen staatlichen Hochschule der Künste. Anschließend studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau, wo sie 1995 bei Professor Jan Szancenbach in Malerei sowie bei Professor Sławomir Karpowicz im Zeichnen abschloß. Seither ist sie Mitglied in der Union der polnischen Künstler und Designer.

 

Verweise:

http://www.malarstwo-nalecz.com/en/
https://www.instagram.com/magdalenanalecz/
https://www.facebook.com/magdalena.nalecz.artist.painter/?fref=ts
https://www.youtube.com/channel/UCXjjry0DSmY5S5VP9jeaKyA

Letzte Änderung am Freitag, 14 April 2017 17:54
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Magdalena Nałęcz „Die Gärten der Liebe 1“ (Öl auf Leinwand, 2012)
Magdalena Nałęcz „Die Gärten der Liebe 1“ (Öl auf Leinwand, 2012)

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