Amerikas Weg in die Moderne – die Ausstellung im Museum Barberini

Potsdam - Noch bis Anfang Oktober soll die Sonderausstellung des Potsdamer Museums Barberini zu den Anfängen der amerikanischen Moderne laufen. Gezeigt werden 68 Gemälde aus der Sammlung des Mäzens und Kunstkritikers Duncan Phillips, welche die stilistische Entwicklung der Malerei jenseits des großen Teiches vom späten 19. bis zum Ende der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachvollziehen.

Die Ausstellung stellt – logischerweise – eine Kooperation des Museums Barberini mit der Phillips Collection dar, weshalb zuerst ein paar Worte zu deren Namensgeber gesagt seien. Dieser lebte von 1886 bis 1966 und war der Enkel des Bankiers und Industriellen James H. Laughlin und Sohn des Fensterglasproduzenten Duncan Clinch Phillips. Nach dem Tod seines Vaters und seines älteren Bruders begann er mit dem Aufbau einer Kunstsammlung, zunächst mit Werken von Meistern verschiedener Epochen wie El Greco, Francisco Goya oder Manet, um sich später zusehends zeitgenössischen US-amerikanischen Künstlern zuzuwenden, wobei er mit dem, was er für beachtenswert hielt, nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung war.

 

Die Ausstellung selbst ist chronologisch geordnet; wir folgen im Artikel der offiziellen Nummerierung der Räume gemäß des angebotenen Raumplanes. Der erste Raum läuft unter dem Titel „Gründerjahre. Portrait und Landschaft im Gilded Age“. Allgemein ist, wenn amerikanische Malerei in europäischen Museen gezeigt wird, eher die abstrakte Moderne zu sehen, insofern ist dieser Raum allein bereits Grund genug zum Besuch des Museums. Dabei sind etwa der Barbizon-beeinflußte George Inness, ein Portrait aus der Hand des Realisten Thomas Eakins und vor allem amerikanische Impressionisten wie Julian Alden Weir, Childe Hassam, Theodore Robinson oder John Henry Twachtman.

 

Angeschlossen ist Raum Zwei „Urgewalten. Natur als Ausgangspunkt der Moderne“. Hier geht es etwa mit einer herrlichen, postimpressionistisch beeinflußten Landschaft Marsden Hartleys, der kraftvollen Küstenlandschaft „Storm Voices“ von Paul Dougherty und einem Werk Rockwell Kents ähnlich hochkarätig weiter.

 

Eine Etage höher finden sich die Räume drei, vier und… neun. „Modern Life. Menschenbilder in der Stadt“ zeigt herausragende Vertreter des urbanen Realismus aus Philadelphia und New York, darunter John Sloan und Edward Hoppers berühmten trostlosen „Sonntag“ von 1926.

 

Raum vier zeigt, wie die beginnende Abstraktion sich noch aus der lebendigen Natur nährt. Herauszuheben wären hier etwa ein weiteres Werk Hartleys oder auch die drei gezeigten Arbeiten von Georgia O’Keeffe; zu sehen sind überdies auch Gemälde weiterer Künstler wie Arthur G. Dove oder Augustus Vincent Tack. Der „zwischengeschobene“ Raum neun bietet Informationen zur Phillips Collection. Man erfährt etwa, daß zum ursprünglichen Bestand des 1921 eröffneten Museums 188 Gemälde zeitgenössischer amerikanischer Künstler gehörten und die Sammlung mittlerweile über 4000 Werke umfaßt.

 

Weiter geht es im zweiten Obergeschoß mit Raum fünf, welcher sich mit den Präzisionisten, der amerikanischen Variante der Neuen Sachlichkeit, befaßt. Die „Stadtlandschaft im Maschinenzeitalter“ bietet unter anderem ein zweites illusionslos-morbide wirkendes Werk Edward Hoppers und ein ganz gegensätzliches, doch gleichermaßen brilliantes Gemälde von Edward Bruce, in „Kraft“ wird Manhattan gezeigt – der industrielle Fortschritt verheißt hier Hoffnung, nicht Gefahr.

 

Vom sechsten bis zum achten Raum der Ausstellung werden verschiedene Strömungen der Moderne mit einem Schwerpunkt auf dem abstrakten Expressionismus vorgestellt, doch auch die wieder zur Figürlichkeit neigende Gegenströmung (etwa Richard Diebenkorn mit gleich drei Werken) wird einbezogen. Mit Robert Motherwell, Jackson Pollock, Philip Guston, Sam Francis, Mark Rothko usw. sind zahlreiche bekannte Namen vertreten.

 

Insgesamt ist wieder die gelungene Präsentation der Werke hervorzuheben, jedes Bild bekommt genügend Platz und Licht, um voll zur Geltung zu kommen, die Begleittexte bieten das rechte Maß an Informationsdichte und Textlänge. Zur Orientierung in der sich nicht unbedingt vollständig von selbst erschließenden Reihenfolge hilft der ausliegende Raumplan. Das Museum Barberini ist am Dienstag geschlossen, an den übrigen Tagen von 10-19 Uhr geöffnet.Es befindet sich auf dem Alten Markt in der Humboldtstraße 5-6 in 14467 Potsdam.

 

Verweise: https://www.museum-barberini.com/von-hopper-bis-rothko/

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Marsden Hartley: Bergsee, Herbst, um 1910, The Phillips Collection, Washington, D. C.
Marsden Hartley: Bergsee, Herbst, um 1910, The Phillips Collection, Washington, D. C.

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