„Beethovenfries“ von Gustav Klimt verbleibt in Österreich

Wien - Entsprechend einer Empfehlung des staatlichen Kunstrückgabebeirats wird Österreich das Gemälde des Wiener Jugendstilkünstlers Gustav Klimt nicht an die Erben eines vormaligen jüdischen Besitzers zurückgeben.

Der österreichische Kulturminister Josef Ostermayer erklärte, man werde wie in jedem Falle seit dem Erlass des Kunstrückgabegesetzes im Jahr 1998 der Empfehlung des Expertengremiums folgen: „Ich folge der Empfehlung des unabhängigen Beirats und bedanke mich bei den Mitgliedern und der Kommission für Provenienzforschung für ihre, wie in allen anderen Fällen der Kunstrückgabe, umfassende und verantwortungsbewusste Beurteilung dieser sensiblen Angelegenheit.“

 

Die Erben des Sammlers Erich Lederer, der das berühmte Kunstwerk 1915 erworben hatte, behaupteten, dieser habe es 1972 nur deshalb an die Republik Österreich verkauft, weil die Regierung ein Ausfuhrverbot für das Werk erteilt hatte. Lederer wurde 1938 von den Nationalsozialisten enteignet, erhielt das Kunstwerk aber 1950 formal zurück. Da er zwischenzeitlich jedoch nach Genf geflüchtet war und beantragte Überführungen ins Nachbarland abgelehnt worden, verkaufte der Sammler das Fries schliesslich 1972 an Österreich für 15 Millionen Schilling (damals umgerechnet 2,2 Millionen D-Mark).

 

Die Anwälte der Erben argumentieren nun, Lederer sei aufgrund des Verbots sein Werk auszuführen gezwungen gewesen, es zu verkaufen. Der Beirat kam jedoch zu dem Schluss, dass es weder den erforderlichen engen zeitlichen noch einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Ausfuhrverbot und dem Verkauf gegeben hat. Die Republik habe das Ausfuhrverbot nicht als Druckmittel angewandt. Außerdem war der Ausgang von Lederers Antrags auf Ausfuhr noch offen gewesen. „Für eine Rückgabe muss ein enger Zusammenhang zwischen dem Ausfuhrverbot und dem Verkauf des Gemäldes bestehen“, erklärte der Beiratsvorsitzende Clemens Jabloner. „Dieser Zusammenhang ist jedoch nicht gegeben.“ Es gebe jedoch keinen Zweifel daran, dass sich die Republik Österreich der Familie Lederer gegenüber nach Ende des Zweiten Weltkrieges „in schäbiger Weise verhalten hat“. Jedoch liesse sich daraus nicht der Schluss ziehen, dass bei dem „besonders komplizierten Fall“ um das Kunstwerk „Unrecht geschehen ist“, so Jabloner. „Es war ein langer Weg bis zur Entscheidung.“

 

Marc Weber, einer der Anwälte der Erben, bezeichnete die Entscheidung als „abstrus“. Man habe Lederer nie signalisiert, dass er den Fries gegebenenfalls hätte ausführen dürfen. Die Erben wollen nun entscheiden, ob sie, da es keine Berufungsmöglichkeiten gibt, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in diesem Fall anrufen werden, so Weber. Laut dessen Ansicht verstößt der Vollzug des Kunstrückgabegesetzes im Fall seiner Mandanten gegen Grundrechte. „Beim Beethovenfries handelt es sich um einen Paradefall dafür, dass der Verkauf eines Kunstwerks vom Bestehen eines Ausfuhrverbots abhängig war“, so Weber.

 

Gustav Klimt (1862-1918) schuf das monumentale Beethovenfries im Jahre 1902 für die Künstlervereinigung Secession in Wien. Es gilt als Hauptwerk des Wiener Jugendstils und misst insgesamt 31,14 Meter bei 2,15 Meter Höhe. Klimt widmete diesen Bilderzyklus dem Komponisten Ludwig van Beethoven – das Fries gilt als eine seiner bedeutendsten Schöpfungen. Seit 1986 ist es der Publikumsmagnet in den Räumen der Wiener Secession.

 

Bereits 1999 scheiterten die Erben Lederers mit einem Antrag um Rückgabe. Durch die Novellierung des Kunstrückgabegesetzes 2009 änderte sich die Rechtslage aus Sicht der Erben jedoch: Nun können auch Kunstwerke zurückverlangt werden, die das Land den Besitzern einst abkaufte. Die Erben beantragten deshalb 2013 erneut die Rückgabe.

Letzte Änderung am Freitag, 20 März 2015 16:29
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